DETAILS

Interpret:
Robyn

Plattentitel:
Body Talk Pt. 1

Label:
Konichiwa / Ministry Of Sound / Warner

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 21.06.2010

PLATTENKISTE

Robyn - Body Talk Pt. 1

Robyn - Body Talk Pt. 1

„My drinking is killing me / My drinking is killing me / My drinking is killing me....“, wiederholt sich Robyn mantrahaft vom Start weg auf ihrem neuen Album „Body Talk Pt. 1“. Die schwedische Ausnahmemusikerin, die stets den schmalen Grat zwischen Pop-Bombast und Pop-Kontrast beschritt, Madonna als Supportact zur Seite stand, Britney Spears die nötige Fülle durch Background-Gesang lieferte, für und mit Snoop Dogg arbeitete, von The Knife mit einem Song beliefert wurde, sich mit Diplo die Klinke in die Hand gab und für ihr Glanzstück „Robyn“ für einen Grammy nominiert wurde, scheint auf dem ersten Teil der jetzt begonnen Trilogie einen Strich unter die bisher gemachten Rechnungen zu ziehen. Ein kleiner Zwischenstand, der mit allem abzurechnen scheint, was sie anödet. „Don't Fucking Tell Me What To Do“!

Lediglich acht Tracks umfasst der erste Teil von „Body Talk...“. Mehr braucht es auch nicht. Denn damit wird weder zu viel vorweg genommen, noch ist das hier versammelte zu wenig. Robyn kommt auf den Punkt. Und alles weitere, was sie in dieser Reihe noch zu sagen hat, wird auf den nächsten beiden Alben hoffentlich so abgerundet platzfinden, wie jene acht Tracks. Robyn wird sich da auch bestimmt nicht reinreden lassen, auch wenn sie mit Snoop Dogg, Röyksopp oder Diplo Songs aufgenommen hat. Die Gratwanderung beherrscht sie zumindest hier schon mal wieder perfekt.

Schon fast stoisch geht sie ihren weg. Immer den Blick nach vorne zur stumpf hämmernden Kick-Drum der Elektro-Dance-Nummer „Don't Fucking Tell Me What To Do“. Ein im Hintergrund säuselnder Synthesizer verleiht den lasterfröhnenden Lyrics der Eröffnungsnummer neben der zwinkernden Entschlossenheit Robyns zu machen, was sie will, auch einen Hauch von düsteren Dancefloor-Szenen. Es ist, wie der Titel es sagt, der Körper, der auf diesem Album in jeglichen Facetten in Mitleidenschaft gezogen wird. Robyns und unsere Gefühle spielen verrückt, schlagen sich auf unsere menschliche Hülle aus und suchen nach Ausdruck. Tanzen kann da nur die Lösung sein. So schlüpft sie in die Rolle eines scheinbar gefühllosen Cyborgs, der uns mit seiner monotonen Roboterstimme ein Liedchen davon singt, dass ein „Fembot“ ebenfalls Gefühle hat und auch weiß, wie er sie aus seiner stählernen Hülle reißt. „Ready for demolition“, denn die Beine werden nicht still halten, wenn der Refrain sich von der hölzernen Strophe löst und plötzlich eine ganz erotischen Pop-Dance-Charme versprüht. Robyns dezent laszives Stöhnen fährt dabei unter die Haut.

Und dann erst der Überhit auf diesem Album. Mit „Dancing On My Own“ schmettert Robyn einen Song auf die Tanzfläche, der, anderes kann es nicht gesagt werden, ein perfekter Pop-Song ist! Schüttelnd, wuchtig, aufregend und zutiefst emotional. Der geladene, wie ein Stroboskop flackernde Bass und der wütend Stampfende Drumcomputer verschmelzen mit Robyns traurigen Lyrics einer Clubbeobachtung zwischen liebendem Wahn und Hoffnungslosigkeit. Im Schutz des gedämpften Lichts und der schwitzenden Massen stellt sie einer verflossenen Liebschaft nach und macht dabei die herzzereißende Beobachtung, dass er eine neue hat, während sie für sich alleine weiter tanzen wird. Warum der Song im Video allerdings anders, ja schwächer klingt, bleibt ihr Geheimnis. Die Antwort auf die quälende Situation in „Dancing On My Own“ folgt sofort. Mit „You Can Cry When You Get Older“ gibt sie nicht nur Weisheiten an die Jugend weiter, sie lässt uns zum aufsteigenden Refrain im Stile des guten alten Euro-Dance die Hände in die Luft werfen.

Robyn durchläuft auf „Body Talk Pt. 1“ sehr viele Pop-Gefilde, und da ist es schon verständlich, dass da der 80er-Kitsch nicht weit entfernt ist. Sie schafft es aber immer die passende Überleitung zum nächsten Song zu schlagen. So lässt sie mit den Songs „Dancehall Queen“ und „None Of Dem“ noch einmal Dampf ab, bevor sich auf den letzten beiden Stücken das Blatt wendet. Wohin es mit dem Song „Dancehall Queen“ gehen wird, sagt der Titel. Hiermit zaubert sie eine sehr moderne Version des Dancehalls, der sich ganz gelassen auf den Elektro-Pop einlässt. Während in „None Of Dem“ mit dem tief pumpendem Beat M.I.A. gar nicht so weit entfernt ist. Plötzlich scheint die Luft bei all der körperlichen Verausgabung aber am Ende zu sein. Denn mit der akustischen Version von „Hang With Me“ wird die poppende Elektronik zurückgefahren, Klavier und Streicher geben den Ton an, und es scheint, als suche Robyn nach schmusender Körperlichkeit. Gut zu wissen, dass sie für den Moment auf ihrer „Body Talk...“-Reihe zur Ruhe kommen wird, wenn sie sich und uns mit dem schwedischen Volkslied „Jag Vet En Dejlig Rosa“ in den Schlaf wiegt.

Stream: „Body Talk Pt.1“:

Body Talk Pt. 1 by robyn

Video: „Dancing On My Own“

Robyn

 

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