Interpret:
Ray Davies & The Crouch End Festival Chorus
Plattentitel:
The Kinks Choral Collection
Label:
Decca / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
2.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 05.10.2009
„Warum auch nicht“, denkt man ganz zu Beginn. Metallica haben doch auch ihre Songs in „S&M“ symphonisch begraben, werden ganze Back-Kataloge zu schmonzettigen Musicals verwurstelt und selbst zur Musik der Beatles werden in Las Vegas Akkrobatennummern aufgeführt. Warum, fragt sich der Kinks-Sympathisant also, warum sollte Ray Davies, seines Zeichens Sänger einer der einflussreichsten Bands der Sechziger Jahre, seine Songs nicht in artfremde Arrangements stecken und seine Songs gemeinsam mit einem Chor aufführen?
Den plausibelsten Grund, weshalb er diesen an sich harmlosen Wunsch nicht in die Tat umsetzen sollte, liefert zweifelsohne das Album „The Kinks Choral Collection“ selbst. Wer schon immer wissen wollte, was genau den Reiz von zeitlosen Klassikern wie „You Really Got Me“, „Waterloo Sunset“ oder „All Day And All Night“ ausmachte, wird dies auf diesem Album indirekt schmerzlich erfahren. Alles, aber auch wirklich alles, was die Kinks seinerzeit auszeichnete, wurde eiskalt und skrupellos entfernt. Das Wilde, Rebellische, das Aufrührerische findet sich nicht einmal mehr in Spurenelementen wieder. Davies spielt sich mit seiner geriatrischen Altherrentruppe müde und uninspiriert durch ein Best-Of-Set, als wäre er seine eigene untalentierte Dorfcoverband. Traurig ist das, wie auf diese Weise große Songs geschlachtet werden, als wären sie Davies mittlerweile völlig egal.
Das Sahnehäubchen des Grauens ist der Chorgesang des Crouch End Festival Chorus, der wie ein verirrter zweitklassiger Schulchor ohne jegliches Gefühl für den ursprünglichen Geist der Songs in bester „Jesus Christ Superstar“-Manier versucht, den Songs (und somit auch Davies) den letzten Rest an Würde zu rauben. Man muss sagen, wenigstens dies gelingt ihnen meisterhaft. Man höre nur einmal „Shangri-La“. Im Original zu gleichen Teilen psychedelisch wie majestätisch, durch den Chorfleischwolf gedreht nur noch eine aufgeblasene Revuenummer, vor der selbst Meat Loaf zurückschrecken würde.
Dass dieses Album nicht, aber auch so gar nicht, funktioniert, hat weiß Gott nichts mit blindem Purismus und dem Wunsch zu tun, die Songs doch in ihrer ursprünglichen Form zu belassen. Nur wirkt „The Kinks Choral Collection“ in seiner ganzen miserablen Umsetzung so surreal und unfreiwillig komisch, dass man Davies beinahe Absicht unterstellen will. Ganz ehrlich, Herr Davies: Das ist doch ein Witz, oder? Oh Herr, lass dies alles nur ein schlechter Witz sein.