DETAILS

Interpret:
Radical Face

Plattentitel:
The Family Tree: Roots

Label:
Nettwerk / Soulfood

VÖ:
20.01.2012

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 18.01.2012

PLATTENKISTE

Radical Face - The Family Tree: Roots

Radical Face - The Family Tree: Roots

Dieser Name trägt mich vier Jahre zurück. Ein alter Studienfreund gab mir damals das Radical Face-Debütalbum „Ghost" und wir beide waren wechselseitig überrascht, dass der andere längst bescheid wusste. Während mein Freund sich durch den Klang an seine Lieblinge, die frühen Genesis erinnert fühlte, hatte die Platte meine Aufmerksamkeit erregt, da ich Ben Coopers Projekt Electric President sehr schätze.

Fortan blieb es ruhig um Radical Face, doch 2011 dann das: Sämtliche Drähte des musikalischen social web glühten angesichts eines Liedes, das sicher nicht nur mir seltsam bekannt vorkam. Der Kamerahersteller Nikon hatte „Welcome Home" entdeckt und setzte die Hymne strategisch klug als Soundkulisse für glückliche Pärchen und niedliche Tierchen als Teil ihrer Imagekampagne ein. Spot an, die fünfzehn Minuten laufen.

Ben Cooper nutzt die Gunst der Stunde und legt mit frischem Material nach. Erfreulicherweise wird darauf verzichtet, „The Family Tree: The Roots" mit bereits bekanntem Bonustrack zu bewerben. Es ist auch nicht nötig, liefert der Songwriter doch auf seinem zweiten Album Lieder wie „Always Gold", die ungeübte Hörer wohl kaum vom Mini-Hit „Welcome Home" unterscheiden können. Radical Face bleibt ein klar umrissener Kosmos aus weichen Gesangsharmonien, zeitgemäß kanalisierten Folk-Traditionen und unaffektierter Instrumentierung.

Stücke wie „Mountains" oder „Ghost Towns" erschaffen kleine Welten, befreien Sehnsüchte. „Keep a candle burning in the window/ I'm almost home", hört man es flüstern. „A Pound Of Flesh" ist ein wundervolles Lied, das auch Bon Iver oder den Fleet Foxes gut zu Gesicht stehen würde. Wer genauer hinhört, entdeckt komplexe Geschichten, große Zusammenhänge auf der lyrischen Ebene. Den Radiohörer erinnern die hübschen Melodien und der mehrstimmige Gesang an Simon & Garfunkel.

Es ist ein bekanntes Muster und oft zu beobachten, dass Lieschen Müller und Max Mustermann erst durch stetige Wiederholung und Dauerberieselung in Alltagssituationen erkennen, dass Musik ein nicht unwichtiger Teil des menschlichen Lebens ist. Wenn sie dabei jedoch auf solche Perlen stoßen, wer möchte ihnen da den begleiteten Tauchgang im Nichtschwimmerbecken übel nehmen? Dieses Album können auch Medizinstudenten ihren VWL-Freundinnen schenken, ohne dass Musiknerdhausen die Wachmannschaft alarmieren muss.

Video: „A Pound Of Flesh"


 

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