DETAILS

Interpret:
Rachel Unthank & The Winterset

Plattentitel:
The Bairns

Label:
Rough Trade / Beggars / Indigo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
9.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 17.11.2008

PLATTENKISTE

Rachel Unthank & The Winterset - The Bairns

Rachel Unthank & The Winterset - The Bairns

Was haben Radiohead, Elbow, British Sea Power und Rachel Unthank & The Winterset gemeinsam? Antwort: Sie waren alle für den diesjährigen Mercury Music Prize nominiert. Doch dies soll jetzt nicht in eine Diskussion münden, warum wir in Deutschland nur den künstlerisch bedeutungslosen Echo verleihen, sondern den Blick auf das Wesentliche lenken: Sind Elbow auch die verdienten Sieger, so ist doch „The Bairns“, das zweite Album der Geschwister Undank, der Sieger der Herzen. Eindeutig.

Das fängt schon mit den ersten sechs Sekunden vom zerbrechlichst-schönsten Song des Jahres „Felton Lonnin“ an, die nichts sind als: Stille. Erwartung. Zeit, sich die Presse-Info noch einmal ins Gedächtnis zu rufen: Von Joanna Newsom ist da die Rede, Antony Hegarty wird en passant erwähnt, Robert Wyatt wird als großer Fan der Band gelistet. Zeit, Angst zu bekommen vor so viel Vorschusslorbeer. Wie aus dem Nichts dann ein verhuschter Klavierakkord, der ins Nichts führt, doch bevor man ins Bodenlose fällt, fängt einen Rachel Unthanks beschwörende Stimme: „The kye’s come yem, but I see not me hinny“. Was auch immer das bedeuten mag, man möchte es auf der Stelle auf sein Kopfkissen sticken. Wenn dann nach einer Minute das hypnotische Klock-Klock-Tapp-Klock eines einsamen Steppschuhs ansetzt, hat einen dieses Album bereits im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert. Alles weitere, nur noch Zugabe. Die kühlen Streicher, die aus einem Gletscher zu kommen scheinen, der unheimliche Harmoniegesang, die folkloristischen Geigen.

„The Bairns“ besteht zu einem Großteil aus alten englischen Traditionals, die von der Band neu arrangiert wurden. So beginnt die traurige Ballade „Blue Bleezing Blind Drunk“ als Abgesang auf ein Leben ohne Träume, um sich dann im Laufe der kommenden fünf Minuten zu einer wahren Trotzreaktion aufzuspielen. Typisch britisch ist das, nicht nur wegen des Akzents, sondern vor allem wegen der Thematik. Rachel Unthank & The Winterset besingen eine Zeit, in der das Vieh noch von Hirten auf saftige Wiesen getrieben und Frauen von heimtückischen Seefahrern gestohlen wurden. Eine längst vergessene Zeit, die Dank „The Bairns“ vor dem inneren Auge zum Leben erweckt wird. Und dann gibt es da noch den „Sea Song“, eine Robert Wyatt-Coverversion, die so eindringlich vorgetragen wird, dass man beinahe erstickt, da man ohne darüber nachzudenken die Luft anhält. „You look different every time you come from the foam crested brine”. Wieder so ein Satz zum aufs Kissen sticken. Einer von vielen.


 

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