Interpret:
PVT
Plattentitel:
Church With No Magic
Label:
Warp / Rough Trade
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 16.08.2010
Das australisch-englische Synthesizer-Math-Rock-Trio Pivot heißt jetzt nur noch PVT. Nach einem Rechtsstreit um den Namen „Pivot“ beschlossen Richard und Laurence Pike sowie Dave Miller auf die Vokale zu verzichten. Doch nicht etwa eine Firma klagte, wie es vor Kurzem bei Owen Pallett, ehemals Final Fantasy, der Fall war. Nein, eine andere Band war es. Lächerlich. Gerade deshalb, weil Pivot aus den USA eine unbedeutende Prog-Metal-Kapelle ist, die in der Tradition von Linkin Park, Taproot oder Hoobastank steht. Die 90er schlagen zurück und gewinnen auch noch. Zum Glück aber bei weitem nicht die Schlacht um die bessere Band, die besser Platte, den besseren Klang. Sollen sie den Namen also haben, wir merken uns jetzt nur noch PVT! Schade ist dabei nur, dass die Kooperation mit dem Skateboard-Hersteller Pivot und PVT jetzt nicht mehr so herrlich funktioniert.
Aber auch das sei hinten angestellt und irrelevant für die Besprechung ihres dritten Werks. Schließlich blieben PVT nicht deshalb in Erinnerung, sondern wegen ihres einzigartigen Turbo-Sounds, der so manches Gemüt durch einen mit rasiermesserscharfen Zähnen gespickten Schlund jagte wie die Puppen in ihren grandiosen Video zu „In The Blood“ von 2008. PVT zerfetzen zwar 2010 auf sehr smarte Art auch noch alles, was sich ihnen in den Weg stellt, doch schlagen sie auf „Church With No Magic“ vermehrt ruhigere, um nicht unbedingt sakrale Klänge zu sagen, an. Das ist Zerfetzen mit dem Gebetsbuch in der Hand. Wovon wir uns abgesehen von der Eröffnungsnummer „Community“ im hallenden „Crimson Swan“ überzeugen können. Die Synthesizer brummen ihre Melodien zu den tippelnd satten Drumcomputer-Klängen, bis der Song am Ende in einem Chor abhebt.
Zugänglicher sind sie damit geworden. Der größte Wandel gegenüber „O Soundtrack My Heart“, ihrem letzten Album, ist aber, dass sie jetzt auch Singen oder wie die ein oder andere Sprechgesangszeile wie im düster polternden Titeltrack „Church With No Magic“ von sich geben. Auch mischen PVT ihre Instrumente mehr in den zehn Tracks. Was noch recht elektronisch begann, wird nach und nach von ihnen durch organische Instrumente ersetzt, beziehungsweise ergänzt und umgekehrt natürlich. Somit geben sie in den lauteren Songs nicht mehr unbedingt vom Start weg Vollgas. In gewisser Weise klingen sie auf diesem Album wie eine Mischung aus Health und Battles, gepaart mit Gesangseinlagen, die stellenweise an Fleet Foxes oder Grizzly Bear erinnern. Im klanglich ausgedünnteren „Circle Of Friends“ wird dies besonders deutlich.
Sachte bauen sie ihre Songs auf, um Melodie für Melodie, Effekt für Effekt allmählich in ihnen unterzubringen. „Window“ gelangt so zum Beispiel zu einem melodischen Gefühl im Refrain, dass so nimmer hätte erwartet werden können, wenn einem nur die erste Hälfte des Songs bekannt ist. Leider sind solche Momente auf „Church With No Magic“ eher, wie bereits erwähnt, zu Gunsten heiligerer Klänge eher rarer gesäht. Die satteren Produktionen lassen nämlich nach dem brodelndem „Light Up Bright Fires“ immer mehr nach. Und „The Quick Mile“ stellt mit seiner Dringlichkeit schon fast nur noch den einzigen energetischen Ausbruch dar. Was danach folgt ist zahmer und schon fast „Timless“ geworden.
Video: „Window“