Interpret:
Portishead
Plattentitel:
Third
Label:
Island / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 13.05.2008
Blauer Dunst, der gemächlich aus einem viel zu vollen Aschenbecher vor sich hinwabert. Ein mit dunkelblauen Samtvorhängen abgedunkelter Raum. Ein alter Plattenspieler im Dauerbetrieb, die Platte hat einen Sprung und man hört nur immer und immer wieder diese eine Zeile, vorgetragen von einer ausgestoßenen Chanteuse: „Nobody loves me, it´s true.“
Lange ist es schon her, 14 Jahre um genau zu sein, seit Portishead mit ihrem Debütalbum „Dummy“ diese Agentenstandbildassoziationen weckten, die man nur noch unscharf mit dem damaligen Zeitgeist „TripHop“ in Verbindung bringt. Zu einzigartig war diese Melange aus klassischem 60´s-Schwermut und neuartigen Samples, dass es einem heute noch die Sprache verschlägt. Nach dem selbstbetitelten Zweitwerk verließen Portishead 1997 die musikalische Bildfläche, um sich Soloaktivitäten zu widmen.
Nun also die Rückkehr, manche sprechen von Comeback. Dabei möchte man dieses durch zu viele in Unwürde gealterte Bands entwertete Wort nur ungern in den Mund nehmen. Schlussendlich bleibt diese Ungewissheit: Was, um alles in der Welt, können uns Portishead 2008 noch erzählen?
Die Antwort ist glücklicherweise wenig überraschend: Eine ganze Menge. Bereits der Opener „Silence“ vertreibt die Rauchwolken der früheren Alben und legt mit seiner spartanischen Eleganz den Blick frei auf ein glänzendes Stahlkonstrukt, getragen durch einen Schlagzeugbeat aus dem Off und eine Gitarre, die sich scheinbar in einem Spiegelkabinett verirrt hat, so sehr hallt das Echo aus allen Ecken der Stereoanlage nach. Es ist eine Neudefinition des alten Portishead-Sounds, verfeinert mit einer Prise Krautrock, die dem Ganzen gut zu Gesicht steht. Dann, urplötzlich, steht der Song still und die Schneekönigin Beth Gibbons nimmt das Zepter in die Hand und singt, besser klagt, wieder diese simplen Zeilen, an die man sich sein Leben lang erinnert: „Did you know what I lost, do you know what I wanted?“
Beatlastiger ist das Album geworden, zwingender als seine Vorgänger. In „Machine Gun“ singt Gibbons gegen ein fieses Industrial-Stakkato an, während „We Carry On“ mit seinem stampfenden Rhythmus auch von Björk aus der „Post“-Phase stammen könnte. In „Small“ mit seiner alten Rhodes-Orgel wird es gar psychedelisch. Doch es gibt hier auch noch diese Momente des Anknüpfens an Vergangenes wie das laszive „Hunter“ oder das verspulte „Plastic“.
Portishead haben es geschafft, ihren Sound mit ins neue Jahrtausend zu nehmen, ohne dabei gestrig zu wirken. „I can´t deny what I´ve become, I´m just emotionally undone“ singt Gibbons in „Magic Door“. Wenigstens textlich scheint alles beim alten geblieben zu sein.