DETAILS

Interpret:
Port O´Brien

Plattentitel:
Threadbare

Label:
City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 19.10.2009

PLATTENKISTE

Port O´Brien - Threadbare

Port O´Brien - Threadbare

Tod und Liebe sind nicht nur in der Belletristik immerzu verwendete Themen. Songschreiber greifen natürlich ebenso oft eine solche Thematik auf und verarbeiten ihr Leid oder eben ihr Vergnügen in Liedern. Nur zu gut kann man sich an das 2004 erschienene Debüt-Album „Funeral“ von Arcade Fire erinnern. All den Schmerz, die Trauer über den Verlust verstorbener Familienmitglieder steckten die Kanadier in ihre Songs und schrien mit fast hoffnungsloser, dabei doch so optimistischer Stimme, Sätze wie „Our mother should have just named you Laika!“ in die weite Welt.

So wie niemand daran vorbei kommt, war es für Port O'Brien nun ebenfalls an der Zeit, Abschied zu nehmen. In diesem Fall von dem kleinen Bruder der sympathischen Frontfrau Cambria Goodwin. Sie und ihr musikalischer Partner Van Pierszalowski verarbeiten den Unfalltod im neuen Album „Threadbare“. Im Studio eines Freundes in San Francisco begannen Port O'Brien die Aufnahmen zum Album. Erst nach Wochen wurde das vertraute Studio verlassen, um in Los Angeles die Produktion von „Threadbare“ abzuschließen. Dieser Entwicklungsprozess ist deutlich zu hören. Das Album ist zweigeteilt.

Von der Euphorie und der Fischerei, die man von Port O'Brien und ihrem Erstling „All We Could Do Was Sing“ gewohnt war, spürt man heute gänzlich wenig. Keine musikalischen Stimmungskanonen wie „I Woke Up Today“ oder „Close The Lid“ sind auf dem zweiten Werk zu finden. Wie denn auch? Die traurige Nachricht überraschte Cambria und Van mitten in den Vorbereitungen zu den neuen Songs. Die ersten Aufnahmen entstanden unmittelbar danach. Im besagten „Wohnzimmerstudio“ entstanden die tief melancholischen Songs „High Without The Hope“ und „Threadbare“. Der Schock sitzt noch tief in den Knochen, die Trauer ist so groß um den viel zu früh verstorbenen  Bruder. Doch die Band hatte bereits nach der langen Tour zu ihrem Debüt vor, in der Zukunft einen anderen Weg einzuschlagen. Van sagte damals: „I don't want Port O'Brien to turn into a pub rock band or a Crazy Horse tribut band. I'm excited for us to try a different route, and we definitely want to make a more intimate record.“ Das sich seine Worte als so wahr entpuppen sollten, hätte er sicher nicht gedacht.

Doch hier stehen sie jetzt, mit einem Album, das als Selbsthilfe des Künstlers zu verstehen ist und die einzelnen Phase des Schmerzes, der Überwindung und der Akzeptanz widerspiegelt. Von bitterer Melancholie wie eben den beiden „High Without The Hope“-Stücken geht es langsam über Tränen in den Augen wie „In The Meantime“ oder der ersten Single des Albums „My Will Is Good“ wieder auf ein Niveau, in der ein Lachen wieder möglich ist, ja Freude am Leben wiederkehrt. Bestes Beispiel „Sour Milk / Salt Water“, das trotz Traurigkeit zum Springen und Hüpfen und Mitsingen einlädt. Irgendwann muss die „Joie de vivre“ eben kommen und dich aus dem Loch holen, das so angenehm für die Trauer ist. Dass unter die Decke verkriechen, weinen und traurige Musik hören nur temporär gut tut ist klar. Man kommt in die Phase des Begreifens. Das Leben geht weiter.

Port O'Brien wollten niemals die Idee von „All We Could Do Was Sing“ weiter führen. Der „Fisherman's Son“ rückt beiseite und lässt Cambria's Stimme auf „Threadbare“ mehr und mehr in den Vordergrund. Das diese Band uns noch lange beiseite stehen wird, stand bereits vergangenes Jahr fest.

Video: „My Will Is Good"

 

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