DETAILS

Interpret:
Port O´Brien

Plattentitel:
All We Could Do Was Sing

Label:
City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 28.07.2008

PLATTENKISTE

Port O´Brien - All We Could Do Was Sing

Port O´Brien - All We Could Do Was Sing

„I´m doing fine in Alaska / I don´t mind the storm / Let all the wind come towards me / Let the diesel engine roar / And I don´t know why I came here / Was it because I was born this way / Or have I just learned to accept it / Like I do every other day…“ singt der junge Van Pierszalowski leicht gequält im dritten von insgesamt 12 Songs auf Port O´Briens Debut. Ein „Fisherman´s Son“ ist er tatsächlich und weiß demnach auch, wovon er eigentlich singt. In den harten Sommer-Monaten werden die Kutter klar gemacht und es wird hinausgefahren, um den reichhaltigen Lachsbeständen hoch im Norden Alaskas nachzujagen. Ein Job, der hart sowie gefährlich ist und wohl jeden Fischer irgendwann zum Nachdenken angeregt hat, so dass am Ende einer Saison nur noch eines gesagt werden kann: „All We Could Do Was Sing“ um Wetter, Natur und der körperlichen Erschöpfung zu trotzen.

Seiner Herkunft ist sich Pierszalowski vollkommen bewusst und macht daraus auch keinen Hehl. Nein, im Gegenteil, er singt sogar eingängig und unverblümt darüber mit seiner fünfköpfigen Band Port O´Brien. Auch seine Freundin, Cambria Goodwin, die eigentlich aus dem warmen Kalifornien kommt, hat erfahren, was es für ihren Freund bedeutet, in dieser Region aufgewachsen und vom Fischfang abhängig zu sein. Gemeinsam begann man in der arbeitsfreien Zeit an den ersten Indie-Folk-Songs zu tüfteln bevor sich das Duo zu einem Quintett entwickelte, das nun nach all der erschöpfenden Arbeit in Studio und auf den Kuttern sein erstes Album vorlegt.

„All We Could Do Was Sing“ ist eine polternde Homage an das Leben auf hoher See, der Einöde Alaskas und dem Gedanken, dass man sich damit nicht abfinden möchte, denn „akzeptiert“ haben es Port O´Brien mit ihrer Ausgelassenheit wohl eher nicht. Wenn Neptun mal wieder ungnädig gestimmt ist, dann schnappt man sich nämlich aus der Kombüse Töpfe und Pfannen, um auf ihnen eine kleine kraftvolle Song-Einlage wie „I Woke Up Today“ zu zaubern. Mit dieser Job-Erfahrung in der Hinterhand lernt man einfach zu improvisieren und stets das Beste aus einer Situation zu machen. Besonders dann, wenn die Band ihre Stimmen gemeinschaftlich in einem Freuden-Chor erhebt und sich von der progressiven Perkussion, den schimmernden Streichern und den ratternden Gitarren davontragen lässt, nur um zu vergessen, dass man hoffnungslos „Stuck On A Boat“ oder „Alive For Nothing“ ist.

Port O´Brien trotzen der Schroffheit aus Wind und Arbeit mit stürmischen Songs, die nach vorne gehen und wenigstens für den Moment alles um einen herum vergessen lassen. „My Eyes Won´t Shout“ schwingt sich aufgrund der heiteren Gitarren-Einlagen auf, dem Alltag legerer entgegen zu treten. Mit „Pigeonhole“ sind sie sogar richtig energisch und ausdruckstark präsent, während „Close The Lid“ wieder herrlich direkt mit viel Tempo auf Gitarren und Schlagzeug die Richtung weist. Und mit „The Rooftop Song“ auf den Ohren hebt man gemeinsam mit der Band und Cambria Goodwins Gesang schwelgend ab.  

Manchmal lässt jedoch die Indie-Rock-Energie nach und Port O´Brien verfallen in eine Art Trauma der kraftlosen Melancholie. Dann sind sie in sich gekehrt und ganz auf den Folk gerichtet, so dass hier und da bekannte Klänge der Bright Eyes durchschimmern werden, was vor allem auf Pierszalowskis Gesang zurückzuführen ist. Als Kritik am Gesamtwerk soll das aber nicht verstanden werden. „Will You Be There?“, „Stuck On A Boat“ oder „Valdez“ stehen mit ihrer verträumten Romantik für sich alleine und brauchen den Vergleich nicht zu scheuen. Ebenso wenig den mit Arcade Fire oder Modest Mouse. Neulich hörte ein Bekannter von mir mit mir gemeinsam „All We Could Do Was Sing“ und sagte, dass er die Musik „anstrengend“ finden würde, na wenn das mal nicht ein Kompliment für die vertonte Fischerei-Romantik ist.


 

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