Interpret:
Plan B
Plattentitel:
The Defamation Of Strickland Banks
Label:
679 / Warner
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 23.08.2010
Wenn ein Rapper plötzlich den Soul für sich entdeckt, ist das an und für sich noch keine große Meldung, auch wenn dies ja nicht aller Tage geschieht. Selbst wenn man bedenkt, dass gefühlvoller vorgetragener Soul an und für sich das genaue Gegenteil vom zackigen, robusten Sprechgesang ist, die Stimme somit anders gefordert wird. Die eigentliche Meldung ist, dass Plan B, dem mit seinem Debüt „Who Needs Actions When You Got Words“ vor 4 Jahren ein beachtliches Album gelang, nun mit „The Defamation Of Strickland Banks“ gleich auch auf dem Soul-Sektor mühelos reüssiert.
Das Album ist ein Konzeptalbum über den fiktiven Soulsänger Strickland Banks, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere wegen einer nicht begangenen Tat in den Knast muss, dort das harte, wahre Leben kennenlernt und am Ende geläutert einer ungewissen Zukunft entgegenblickt. Eine einfache Geschichte, die Plan B, aka Ben Drew, auch eines Sonntags am Frühstückstisch eingefallen sein könnte. Was Drew jedoch aus diesem Rohmaterial macht, wie er es in seinen 13 Songs zu etwas Einzigartigem formt, das verdient höchsten Respekt.
Dabei tauscht Drew des öfteren die musikalische Perspektive, ohne die Rolle zu wechseln. Sind Songs wie „Hard Times“ oder „Writing‘s On The Wall“ noch purster Motown-Soul, der den Geist Curtis Mayfields mit jedem pulsierenden Basston, mit jeder leicht dumpf verklingenden Snare atmet, so weiß Plan B sehr wohl noch, wo seine eigentlichen Wurzeln stecken. In „Stay Too Long“, das Drew mit taufrischer Falsettstimme singt, taucht wie aus dem Nichts ein dreckiges Grime-Break auf, als wäre es das Natürlichste der Welt. „Welcome To Hell“ verbindet dann endgültig einen knackigen Hip-Hop-Schlagzeugbeat mit funky Gitarren und einem Panorama-Bläsersatz, der wie ein 40 Jahre altes Sample klingt, in Wahrheit jedoch extra für dieses Album aufgenommen wurde.
Doch nicht auf jedem Song geht Plan B mit derselben Konsequenz zu Werke. Die aktuelle Single „She Said“ geht zwar flott ins Ohr, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Song wie ein Outtake aus Amy Winehouses „Back To Black“-Sessions klingt. Alles in allem ist Plan B aber ein erstaunliches Album gelungen, das den Staub der Musikgeschichte allein durch einen einzigen Juchzer in „Traded In My Cigarettes“ aufwirbeln kann, auf dass sich dieser Staub langsam wie ein Konfettiregen wieder auf die Instrumente, das Mischpult, die alten Stax-Platten legen kann, so als sei rein gar nichts geschehen. In Wahrheit hat Plan B jedoch mit „The Defamation Of Strickland Banks“ die Zeit für eine kurze Weile angehalten.
Video: „Stay Too Long“