DETAILS

Interpret:
Peter Gabriel

Plattentitel:
Scratch My Back

Label:
Virgin / EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

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Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 22.02.2010

PLATTENKISTE

Peter Gabriel - Scratch My Back

Peter Gabriel - Scratch My Back

Bereits vor zwei Jahren überraschte Peter Gabriel auf einem XL-Labelsampler mit einer überaus gelungenen Version des Vampire-Weekend-Hits „Cape Cod Kwassa Kwassa“, den er gemeinsam mit Hot Chip neu interpretierte. „And it feels so unnatural, to sing you own name“ dichtete Gabriel kurzerhand zwei Zeilen dazu, in Anlehnung an die Original-Lyrics, in denen sein Name erwähnt wird.

Scheinbar hat Gabriel Gefallen am Covern gefunden, denn nun erscheint mit „Scratch My Back“ der erste einer auf zwei Teile angelegten Reihe rund um das Bearbeiten fremder Songs. Den Anfang macht Gabriel, in dem er auf diesem Album zwölf Songs covert, im Laufe des Jahres sollen mit „I‘ll Scratch Yours“ dann die Antwortbeiträge der hier gecoverten Künstler folgen, die sich dann dem Gabriel-Ouevre widmen. Interessant, ob das Konzept aufgeht. 

Den Grundstein zum Gelingen legt „Scratch My Back“ allemal, sind denn die hier ausgewählten zwölf Songs im Original bereits großartige Stücke. Doch wie für Gabriel üblich, beschränkt er sich nicht aufs einfache Nachspielen, sondern legt sich und den Songs einem strengen Dogma unter: Keine Gitarren, kein Schlagzeug, nur sein Klavierspiel und ein Orchester als Begleitung, spartanische Opulenz also. Anstatt diese Bedingungen als Beschränkung aufzufassen, nimmt Gabriel diese Vorlage, um den Songs grundlegenden Neuinterpretationen zu unterziehen. David Bowies „Heroes“ wird zu einem Manifest des Leidens, dem Gabriel die Verzweiflung des Originals entzieht und durch ein samtenes Streichergewand ersetzt. „Mirrorball“ von Elbow war schon immer ein verkappter Gabriel-Song, der nun in reduziertem Arrangement seine Bestimmung gefunden zu haben scheint.

Zu den absoluten Glanzlichtern des Albums, das unter anderem auch Coverversionen von Bon Iver („Flume“), Neil Young („Philadelphia“) und Regina Spektor („Après Moi“) enthält, zählt Paul Simons „The Boy In The Bubble“, das sich in seiner schwerfälligen Eleganz beinahe wohler fühlt als in der beschwingten „Graceland“-Umgebung des Originals. Arcade Fires „My Body Is A Cage“ ist zwar nicht mehr die ursprünglich so liebgewonnene sakrale Kathedrale, doch auch in Gabriels säkularisiertem, unruhigem Streichermeer entfaltet sich die epische Dimension des Songs. Und das unglaublich zarte „The Book Of Love“ der Magnetic Fields beweist, dass Songs von Stephin Merritt auch losgelöst vom Lo-Fi-Kontext wunderbar funktionieren.

Gabriel schafft es tatsächlich, trotz des omnipräsenten Orchesters dem Album Intimität einzuhauchen, sodass die Songs fernab jeglichen Kitschverdachtes nicht wie zwölf seelenlose, aneinandergereihte Stücke wirken, sondern die sehr wohl miteinander interagieren und den Spannungsbogen aufrechterhalten. Doch aus „Scratch My Back“ Rückschlüsse auf ein kommendes Gabriel-Album mit eigenen Stücken ziehen zu wollen, das lässt dieses aus der Reihe tanzende Album nicht zu. Dafür war Gabriel, der bereits Bonobo-Affen das Musizieren beibrachte, in der Vergangenheit stets zu experimentierfreudig.

 

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