DETAILS

Interpret:
Pet Shop Boys

Plattentitel:
Pandemonium - Live, The O2 Arena, London, 21 December 2009

Label:
Parlophone / EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 22.02.2010

PLATTENKISTE

Pet Shop Boys - Pandemonium - Live, The O2 Arena, London, 21 December 2009

Pet Shop Boys - Pandemonium - Live, The O2 Arena, London, 21 December 2009

Selbst für unsere virale Welt, in der man sich bereits daran gewöhnt hat, vielerorts bereits Sekunden nach Konzertende das gesamte Ereignis auf USB-Stick am Merch-Stand kaufen zu können, ist die Veröffentlichung von „Pandemonium“ eine ungemein zügige Angelegenheit geworden. Kaum sind die letzten Konfettischauer aus der vorweihnachtlichen Londoner O2-Arena und aus den Haaren entfernt worden, kann man nun bereits den dazugehörigen Mitschnitt physisch erwerben. 

Unüblicher- und daher umso mehr erfreulicherweise kommt „Pandemonium“ als Rundum-sorglos-Paket mit einer Bonus-DVD des kompletten Auftrittes daher. Oder ist etwa die CD mit 17 Songs des Konzertes die eigentliche Dreingabe? Egal wie man es dreht und wendet, es wird einem reichlich geboten. Die Songs auf der CD sind hervorragend abgemischt, was auch nicht sonderlich schwerfällt, da neben Neil Tennants gewohnt souverän näselndem Gesang nur noch Chris Lowes größtenteils aus der Konserve geholten Sounds beigepackt werden. Doch wie die Pet Shop Boys hier ihre eigenen Songs kombinieren, sie wie neuigierige Kinder neu mischen, das zeugt von großem Verständnis für den eigenen Backkatalog. Da wird beispielsweise das Fanfarenintro des Klassikers „Can You Forgive Her“ mit dem stampfenden Beat des aktuellen „Pandemonium“ auf so homogene Weise verbunden, dass man diese Collage nicht einmal als Bastardmix bezeichnen kann. Vielmehr ist dies eine ganz organische Symbiose verschiedenster Phasen ihrer Karriere, die sich auf wundervolle, unangestrengte Weise verbinden.

Der Überhit „Go West“ kommt mit dem Paukenintro der B-Seite „Paninaro“ zwar fesch aus den Startlöchern, doch mittlerweile hat man sich an dem Song satt gehört. Das kann man von den restlichen 16 Songs nicht behaupten, die einen Querschnitt des gesamten Schaffens der Pet Shop Boys bieten. Mit Ausnahme der 2001er-Veröffentlichung „Release“ ist jedes Album mit mehr oder minder prominenten Songs vertreten, wobei vor allem das Debüt „Please“ mit einem minimalelektronischen „Two Divided By Zero“, der Ballade „Why Don‘t We Live Together“ sowie der Singles „Suburbia“ und der letzten Zugabe „West End Girls“ überaus stark vertreten ist.

Doch erst auf der DVD entfaltet sich die wahre Magie eines Pet Shop Boys-Konzertes. Wie hier mit einfachsten Mitteln das Konzept der vorangegangenen „Cubism“-Tour auf die Spitze getrieben wird, wie hier mit lauter kleinen Würfeln eine Wand errichtet wird, die bei „Building A Wall“ theatralisch eingerissen wird, nur um im Anschluss die Einzelteile immer wieder in die Choreographien der Tänzer einzubauen, zeugt von einem durchdachten Grundkonzept, mit dem Tennant und Lowe punkten. An der Rollenverteilung der Beiden auf der Bühne wird sich selbst dann nichts mehr ändern, wenn Chris Lowe eines Tages das Singen lernen sollte: Tennant ist der charismatische, britisch elegante Frontmann, der sich in gewagte Outfits wirft und zu Coldplays „Viva La Vida“ auch schon mal in Königsrobe über die Bühne stolziert. Lowe ist der musikalische Mastermind, der sich hinter seiner Computer/Keyboard-Burg heimisch eingenistet hat und diese nur ungern verlässt.

So lebt „Pandemonium“ von diesem Dualismus aus Altbekanntem und Neuem, Bewährtem und Innovativem. Auf den Punkt bringen die Pet Shop Boys dies in ihrem Auftritt bei den Brit Awards 2009, der auf der DVD als Extra beigefügt wurde. Hier spielen sie sich in einem zehnminütigen Medley durch die Songs ihrer Karriere und nehmen auf dem Weg noch Brandon Flowers und Lady Gaga so selbstverständlich mit, als wären diese nur zufällig mit ihnen auf der Bühne, um ein kleines Liedchen über die Mädchen aus dem West End zu trällern. Das Publikum in der O2-Arena fordern eine Zugabe und bekommen diese, drei Tage vor Weihnachten auch noch passend serviert: „It Doesn‘t Often Snow At Christmas“. Da ist es wieder: Britisches Understatement mit einem verschmitzten Lächeln, an einem verschneiten vorweihnachtlichem Montag in London.

 

Freunde

 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke