Interpret:
Patrick Wolf
Plattentitel:
The Bachelor
Label:
ADA / Bloody / Warner
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
9.0 von 10
Autor:
Renate Bichert
Remscheid, 13.07.2009
Eigentlich hat Patrick Wolf seine Karriere schon 2007 für beendet erklärt. Nachdem er bei einem Konzert seinen Schlagzeuger auf der Bühne gefeuert hatte, beschloss er mit gerade mal dreiundzwanzig Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, diese an den Nagel zu hängen und sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.
Heute würde Wolf über diese Geschichte lächeln und sagen, es sei eine Notbremse gewesen, weil er dringend eine kreative Pause gebraucht hatte. Diese Pause scheint er gut genutzt zu haben, denn mit seinem vierten Album „The Bachelor“ liefert er sein bisher bestes Werk ab. Einerseits hat Wolf seine vorigen Alben entrümpelt und das Beste aus ihnen extrahiert. Die Kampfbereitschaft und der Wille zur Provokation erinnern an sein erstes Album „Lycanthropy“. Von „Wind In The Wires“ sind die Naturverbundenheit und der starke Einsatz von Streichern übrig geblieben. Aber auch das poppige von „The Magic Position“ kann man noch in Songs wie „Hard Times“ oder „Vulture“ hören.
„The Bachelor“ ist aber nicht nur ein Extrakt aus seinen Vorgängern. Eine neue Professionalität macht sich vor allem in dem Einsatz von Instrumenten bemerkbar. Die Streicher strotzen von orchestraler Fülle und elektronische Elemente sind nicht mehr willkürliche Experimente, sie werden gezielt eingesetzt. Besonders die Themenwahl überrascht. Bisher hat Patrick Wolf hauptsächlich mit seinem queeren Erscheinungsbild und überspitzten Texten geschockt. Auf „The Bachelor“ werden seine Texte jedoch konkret politisch und gesellschaftskritisch. Er zieht mit diesem Album in die Schlacht gegen Homophobie und Patriarchat.
Ein wichtiger Punkt ist die nicht vorhandene Homo-Ehe. Zusammen mit Elisa Carthy besingt er die Tragik dieser Unmöglichkeit im Titeltrack „The Bachelor“. „Count Your Casual“ ist ein Antikriegslied, das im Gegensatz zur Kampfeslust des übrigen Albums steht. „The Bachelor“ ist aber kein Konzeptalbum, man findet noch viele weitere Themen auf dem Album. „Blackdown“ beschreibt den Moment kurz nach einem persönlichen Absturz und „The Sun Is Often Out“ verarbeitet den Selbstmord eines Freundes. Der stärkste Song auf dem Album ist aber „Oblivio“, zusammen mit der Schauspielerin Tilda Swinton („Orlando“).
Video: „Hard Times"
Patrick Wolf "Hard Times" Video from biz3 publicity on Vimeo.