Interpret:
Patrick Watson And The Wooden Arms
Plattentitel:
Wooden Arms
Label:
Vertigo / Mercury / Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Kai Töpel
Dresden, 25.05.2009
Alle, die ihn bis jetzt auf der Bühne gesehen haben, werden zustimmen: Patrick Watson ist ein seltsamer Kauz. So fiel er das erste Mal für viele beim Haldern 2007 auf, bei dem er nachts das Spiegelzelt beschallte und beim Betreten der Bühne für viele fragende Blicke sorgte, was nun zu erwarten sei. Dort saß ein bärtiger kleiner Mann mit tiefsitzender Mütze und prägnanter Lache hinter seiner Orgel, begrüßte die Zuschauer mit gebrochenem Deutsch und nahm zusammen mit seiner Band alle mit in seine cineastische Welt, welche zum Beispiel von im Meer lebenden Robotern handelt. Die Begeisterung beim Publikum stieg von Minute zu Minute, ein richtiger Haldernmoment eben.
Obwohl der Name dies erwarten lässt, ist jedoch Patrick Watson kein Singer/Songwriter, sondern eine vierköpfige Band, die live völlig gleichberechtigt ist. Deswegen entschieden sie, um weitere Verwirrung zu vermeiden, sich bei ihrem aktuellen Album für den Namen Patrick Watson And The Wooden Arms.
Dass das Projekt, das vorher sehr auf die Person Patrick Watson bezogen war, durch viele Konzerte und gemeinsame Zeit zu einer Band erwachsen ist, kann man auf der Platte nun auch nachhören. Ähnlich wie beim Vorgänger „Close To Paradise“ ist auch „Wooden Arms“ sehr atmosphärisch. So beginnt das Album mit „Fireweed“ sehr ruhig, erst sind nur leise Streicher zu vernehmen, die sich mehr und mehr nähern und Patrick Watsons prägnante Stimme, die oft mit Jeff Buckley verglichen wird. Dabei experimentiert die Band mit vielen neuen Sounds, erzeugt damit ein wahres Feuerwerk an Bildern in den Köpfen der Hörer. Der Song „Fireweed“ steigt dabei immer weiter an, bis er im Finale einfach verblasst.
Nur selten verlässt Patrick Watson seine Fantasiewelt. Im Song „Beijing“ besingt er die Hauptstadt Chinas, unterlegt mit trommelähnlichem Schlagzeug, das bei Zeiten zu hyperaktiv wirkt und dem melodischen Unterton des Liedes hinderlich ist. Dabei bekommt die Band weitaus mehr Platz eingeräumt als noch beim Vorgänger, verliert sich dann manchmal noch zu sehr in Solis und schaukelt sich hoch, bis sie von Patricks Orgel wieder eingefangen wird und in die alte Melodie gefügt wird.
Das größte Problem bei „Wooden Arms“ ist besonders die starke Fixierung auf das Cineastische und die Bildlichkeit, so dass es an manchen Stellen ermüdend sein kann dem Album zu folgen. Manchmal wirkt es fast wie eine Bewerbung für den Soundtrack eines noch nicht gedrehten Kinderfilms – wie beispielsweise in „Where The Wild Things Are“, basierend auf dem Kinderbuch von Maurice Sendak (in Deutschland unter dem Namen „Wo die wilden Kerle wohnen“ erschienen). Das wirkt alles ein wenig zu gewollt, besondern weil "Where The Wild Things Are" gerade von Spike Jonze verfilmt wurde.
Insgesamt überwiegen jedoch die guten Momente auf „Wooden Arms“, besser als noch bei „Close To Paradise“, das fast ein Sammelsurium von Patricks Songs der letzten Jahre war und eine wirkliche Struktur vermissen ließ, überrumpelt „Wooden Arms“ den Hörer nicht und klingt mit dem erst ungewohnt schnellen und dann ruhig ausschweifenden „Machinery Of The Heavens“ aus. Vor allem macht WWooden Arms" eins, nämlich Lust auf Patrick Watson Konzerte.