DETAILS

Interpret:
Passion Pit

Plattentitel:
Manners

Label:
Frenchkiss / Columbia / Sony

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 06.07.2009

PLATTENKISTE

Passion Pit - Manners

Passion Pit - Manners

Hier an dieser Stelle nochmals die Geschichte um Michael Angelakos viel gelobtes Projekt Passion Pit aus Massachusetts zu erzählen, würde wie ein Narkotikum wirken. Doch will Angelakos mit Passion Pit gerade das nicht sein, schließlich galt es doch voller Euphorie die Beziehung zu seiner Freundin zu untermauern, Danke zu sagen. Dass ihm mit der „Chunk Of Change“-EP ein solcher Weitwurf gelang, der in einem überschwänglichen Meer der Synthesizer-Indie-Pop-Emotionen endete, war so auch zunächst nicht beabsichtigt. Jener Mythos, der nun um das zur Band gewachsene Projekt Passion Pit kreist, ist aber auch auf dem endlich erschienen Album „Manners“ die treibende Kraft.

Wenn sich auch einiges geändert hat, wird man noch immer die „Chunk Of Change“-Geschichte mit „Manners“ verknüpfen wollen. Denn Angelakos thematisiert in seinen Texten nach wie vor dieses herrlich-kribbelnde Gefühl des Verliebtseins, der bittersüßen, melancholischen Selbstfindung zu betörenden Synthesizer-Kompositionen, die in den 80er-Jahren zu Hause, im heutigen Indie-Pop aber heimisch sind. Und ohne Zweifel: Das vom Les-Savy-Fav-Produzenten Chris Zane produzierte „Manners“ kommt nicht nur zur richtigen Jahreszeit auf den Markt, es wird auch seine Spuren im sommerlichen Sand hinterlassen.

Ganz davon abgesehen, dass Ian Hultquist an der Gitarre, Ayad Al Adhamy am Keyboard, Jeff Apruzzese am Bass und Nate Donmoyer am Schlagzeug nun feste Bestandteile von Passion Pit sind und generell nach den ersten Erfolgen in viel größeren Dimensionen gedacht werden darf, dürfte wohl das einschneidenste Resultat dieser Änderungen der Klang der Band sein. Passion Pit sind nach wie vor energetisch und rumpeln durch den Raum, doch sind nun einige der Dringlichkeiten, die Ungeschliffenheit zugunsten symmetrisch geschliffener Indie-Pop-Songs gewichen. Nicht umsonst lautet der Titel des Albums auch „Manners“. Manieren, die sich eben nicht nur textlich sondern auch musikalisch auszeichnen, so dass man das Gefühl hat, trotz der pumpenden Beats und der schüttelnden Synthesizer-Quäkereien in „The Reeling“ in Pop-Honig zu baden.

Kinder-Chöre hin oder her, es sind besonders die vom P.S. 22 in New York kommenden Kinder, die mit ihrem im Refrain eingestreuten „Oh no“ nicht nur der ersten Single von „Manners“ ein herzliches Gefühl einhauchen. So sind es gerade die „Little Secrets“, die von ihnen besungen werden und dem antreibenden Song noch die nötige Leichtigkeit verleihen. Während die Snare kracht, die Synthesizer mit schrillen Fuzzes belegt sind, der Bass vor sich her grummelt und die Gitarre ihre Melodie zwitschert, singt Angelakos mit seiner schrägen Stimme den Refrain „Let this be our little secret / No one needs to know we’re feeling“, welchen der Kinder-Chor mit „Higher and higher and higher / Higher and higher and higher“ vervollständigt. Ein rundum wunderschöner Song, der das Gefühl auf „Manners“ und den Mythos um Passion Pit perfekt spiegelt.

Aber auch im folgenden, durch Klavier-Klänge und im Hintergrund gehaltene Klang-Schimmereien sehr ruhig gehaltenen „Moth’s Wings“ oder im auf dem sachte hämmernden Beat dahin treibenden „Swimming In The Flood“ zeigen Passion Pit, dass sie auch ohne großes Getöse Melodien für verliebte Großstädter machen können. Doch das eigentliche Können der Band gründet sich in ihrer progressiven Art, Songs wie das sich aufbauende „Folds In Your Hands“, das stürmische „Make Light" oder die gepitchte, gelitzernde und mit viel Bassdruck beladene Super-Single „Sleepyhead“ zu schreiben, die dem Beat davoneilen. Zwar gehört „To Kingdome Come“ mit seiner gedrungenen Art oder das sich auf einem Gitarren-Loop gründende und umherflatternde „Eyes Like Candle“ nicht unbedingt zum Stärksten, was „Manners“ ausmacht, doch fügen auch sie sich dem turtelnden Gesamtbild.

Alles Wehren wird nichts nützen, an Passion Pit wird man in diesem Jahr beim besten Willen nicht vorbeikommen. Erst recht nicht dann, wenn man bereits einen Platz für Bands wie Hot Chip, Junior Boys, M83, Matt & Kim, Cut Copy oder MGMT in seinem Herzen vergeben hat. Passion Pit nehmen nicht nur Platz ein, sie animieren auch zu mehr Liebesbereitschaft. Und da ist er dann auch wieder: der Kinder-Chor, der uns zum stampfenden Beat von „Let Your Love Grow Tall“ die Arme in die Luft reißen und jenen Song-Titel als Refrain singen lässt. Für mehr Synthesizer-Liebe im Alltag, für mehr Passion Pits.

Video: Passion Pit - Sleepyhead

Passion Pit "Sleepyhead" from The Wilderness on Vimeo.

 

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