Interpret:
Pantha Du Prince
Plattentitel:
Black Noise
Label:
Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
9.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 08.02.2010
Einhundert Menschen, die sich nicht kennen und nur zufällig am selben Ort sind (lass es ein großer Platz in einer namenlosen Großstadt sein, lass es eine grüne Wiese in einem abgelegenen Schweizer Bergdorf sein, es spielt keine Rolle). Die kreuz und quer durcheinander laufen, sich hier und da streifen, vielleicht sogar miteinander kommunizieren, sich dann aber wieder trennen. Die dann wie aus heiterem Himmel alle zur selben Zeit stehen bleiben, den Kopf nach rechts drehen, dann nach links, das rechte Bein einen Schritt nach vorne setzen, dann das linke. Die sich dann wieder individuell auf sich selbst konzentrieren, nur um in der nächsten Sekunde wieder mit ihrer mysteriösen und gemeinsamen Choreographie fortzusetzen: Sprung, Pirouette, Spagat, Ausgangsstellung.
Wer sich dieses leicht verschrobene Szenario bildlich vorstellen kann, der hat schon eine gewisse Ahnung davon, wie „Black Noise“, das dritte Album Hendrik Webers aka Pantha Du Prince, klingt. Verdichtung und Entfremdung, Statik und Rhythmik, diese Gegensätze dominieren die Platte, die sich jeglicher gängiger Klischees elektronischer Musik entzieht. So beginnt „Black Noise“ mit einem Surren und Summen, unzähligen Geräuschen, die Weber aus natürlichen Geräuschen wie Kuhglocken, Windfängen und Ähnlichem gesampelt hat und die nun wild durcheinander schwirren, auf der Suche nach Konsistenz. Wie aus dem Nichts taucht diese dann in Form einer Bassmelodie und eines wummernden Beats auf, kristallisiert sich hieraus der Song „Lay In A Shimmer“, der im doppeldeutigen Sinne kaum zu fassen ist, da er sich immer wieder festen Strukturen entzieht, innehält, um dann unbeirrt fortzufahren.
Dass „Black Noise“ trotz all seiner Brüche und verwegenen Abzweigungen nie vom rechten Weg abkommt, liegt an Webers Fähigkeit, die Klangcollagen transparent zu halten und aufregend zu gestalten. Da überrascht einen in „Abglanz“ plötzlich eine süffige Steeldrum, singt im clubtauglichen „Stick To My Side“ Noah Lennox von Animal Collective mit hallertränkter Stimme und in „A Nomads Retreat“ wird der Song mit einer Erinnerung an New Orders „Blue Monday“ abgeschmeckt. Ähnlich wie sein dänischer Kollege Anders Trentemøller schafft Pantha Du Prince mühelos, den an sich schwierigen Spagat zwischen organischen Sounds und minimalem Elektro, wie im von Kraftwerk inspirierten „Satellite Snyper“.
Jedes, aber auch ausnahmslos jedes aufgenommene Geräusch, jeder Beat, jede sphärische Melodielinie auf diesem Meisterwerk sind dermaßen pointiert eingesetzt, so perfekt getimet, dass sich aus all diesen Elementen die weiter oben beschriebene natürliche Soundchoreographie ergibt. Vielleicht liegt es auch daran, dass Pantha Du Prince das Geheimnis des sogenannten „Black Noise“ entdeckt hat: dieses physikalische Phänomen beschreibt nämlich unter anderem verschiedene Frequenzen, die vom menschlichen Ohr nicht mehr gehört werden, die aber trotzdem bestimmte Stimmungen in einem auslösen können. Das Album ist somit das Äquivalent zu dieser Theorie. Mit jedem Hören entdeckt man immer wieder neue Klänge, die man beim vorherigen Hören noch nicht wahrgenommen hat. „Black Noise“ - wahrlich ein Naturphänomen.
Stream: „The Splendour"