Interpret:
Owl City
Plattentitel:
Ocean Eyes
Label:
Universal
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
6.0 von 10
Autor:
Lasse Paulus
Düsseldorf, 22.02.2010
Wie bespricht man ein Album das eigentlich alles richtig macht, durch ein Übermaß an medialer Präsenz aber unglaublich an Charme verliert? Owl Citys neues Album „Ocean Eyes“ ist solch ein Album. Die Single „Fireflies“ dürfte wohl mittlerweile jeder kennen. Schließlich kann man weder Radio noch Fernsehen anmachen, ohne das der Song irgendwo im Hintergrund gespielt wird. Das Problem? Der Song ist gut, ich würde sogar soweit gehen und ihn als den besten Popsong seit zwei Jahren bezeichnen. Trotzdem will man ihn nach den vergangenen drei Wochen nicht mehr wirklich hören.
Hinter Owl City steckt ein junger Amerikaner namens Adam Young. Dieser hat es geschafft, innerhalb von zwei Jahren zehn Millionen Menschen auf seine MySpace-Seite zu locken – sein Music-Player zählt ganz nebenbei 40 Millionen Plays, was wirklich ziemlich bemerkenswert ist. Ebenso beeindruckend ist seine komplett ausverkaufte Welttournee. Da hat wohl jemand den Nerv der Zeit getroffen. Nachdem jetzt das gesamte Album veröffentlicht wurde, durfte man gespannt sein, wie Owl Citys moderner Elektro-Pop auf Albumlänge funktioniert. Und siehe da, auch mit dem Album verhält es sich so, wie mit der Single „Fireflies“. Je öfter man es hört, desto langweiliger wird es. „Cave In“ oder „The Saltwater Room“ machen Spaß, „Vanilla Twilight“ sowie „Hello Seattle“ könnten weitere Singleauskopplungen werden. Auf den ersten Blick handelt es sich also um ein echtes Hitfeuerwerk.
Leider fallen sie trotzdem gegen den Überhit des Albums rapide ab. Hat man darüber hinaus das erste Mal den Autotune-Effekt auf dem Gesang gehört, fängt er prompt an zu nerven, da er einfach viel zu omnipräsent ist. Hinzu kommt die musikalische wie gesangliche Nähe zu The Postal Service. Deren Album „Give Up“ ist mittlerweile sechs Jahre alt und immer noch ein Hammer. Ich persönlich würde jetzt Wetten annehmen, dass in sechs Jahren niemand mehr von Owl City spricht. Nicht weil das Album schlecht ist, sondern weil es einfach zu belanglos wirkt. Kennt eigentlich noch jemand Babylon Zoo?