Interpret:
Ok Go
Plattentitel:
Of The Blue Colour Of The Sky
Label:
Capitol / EMI
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
5.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 22.02.2010
Ok, dieses Quartett muss man doch nicht weiter erklären? Mit gerade einmal fünf Dollar in der Tasche, mit einer Videokamera ausgestattet und ein paar Laufbändern aus dem Fitness-Studio haben die vier Freunde aus Chicago vor ein paar Jahren für sehr viel Aufsehen gesorgt, als sie so ihr Video mit der berühmten Laufbandchoreographie produzierten. Alleine dieses Ereignis rückt die vielen anderen Ideen der Band, wie Musizieren in Senatskammern, Verteilen von Burritos an Obdachlose oder dem Schreiben von Essays, Theaterstücken und Kolumnen noch immer in den Hintergrund. Normal ist das aber nicht. Dennoch sagt Leadsänger Damian Kulash: „Wir versuchen eine Do-It-Yourself-Band in einer Post-Major-Label-Welt zu sein“, deren „ganzes Interesse guten Ideen“ gilt, um „daraus heißen Scheiß zu fabrizieren“. Na denn mal Go.
Wie es der Band mit ihrem dritten Album, „Of The Blue Colour Of The Sky“ gelingen soll, „Post-Major“ zu sein, können sie angesichts eines Majorlabel-Deals nur selber wissen. Fest steht aber, dass die aufgezählten Aktivitäten dazu schon mal nicht beitragen werden. Gute PR halt. Einzig die berühmten Videos zu „Here It Goes Again“ und „A Million Ways“ lassen ihre Major-Anbindung vergessen. Und nein, ich bin kein Major-Feind, der stets auf der Suche nach Authentizität ist und in ihnen den großen Feind der Musikindustrie sieht. Ich reibe mich nur gerne an Zitaten wie dem oben genannten.
Zum Glück wird aber nach den ersten Klängen von „Of The Blue Colour Of The Sky“ ganz schnell klar, dass man es hier mit einer Band zu tun hat, die endlich raus will aus den kleinen Kreisen. Wie ich finde, ein Indiz einer berechtigten Kritik meinerseits. „WTF?“, das gesamte Album-Konzept ist darauf ausgelegt. Alleine der Opener klingt mit den brummenden Gitarren schon viel zu sehr nach Muse, als dass hier etwas klein angelegt sein soll. Ja, Ok Go blasen zum Angriff auf die ihnen berechtigterweise zustehende Publicity, die sich in diesem Fall hoffentlich rein musikalisch beziehen wird. Somit ist die Aussage „Do-It-Yourself“, die ich für gewöhnlich mit dem Lo-Fi verbinde, auch etwas weiter hergeholt. Auch wenn viele der verwendeten Ideen für das Album ihren Charme haben - so zum Beispiel die opulenten Knarzereien („All Is Not Lost“ oder „Needing/Getting“) und aufgedrehten Allüren schriller Pop-Songs („End Love“) - wird überdeutlich, dass sie damit nicht in kleinen Clubs hausieren wollen. Herzlich ruhigen Nummern wie „While You Were Asleep“ oder „Last Leaf“ inklusive.
Erst recht nicht, wenn sie eine der wohl widerlichsten Erfindungen zur Musikproduktion einsetzen, den Vocoder. In „Before The Earth Was Round“ darf man diesen unsäglichen Effekt mal wieder begrüßen. Doch um „Of The Blue Colour Of The Blue Sky“ jetzt nicht als totalen Rohrkrepierer dastehen zu lassen, sei gesagt, dass Ok Go mit diesem Album einen klanglichen Nerv treffen werden. Denn sie bleiben trotz eines größeren Ansatzes nach wie vor verquer, experimentierfreudig („Back From Kathmandu“) und eigenständig genug, um sich im alternativen Pop/Rock-Universum zu präsentieren, als lediglich in der Masse zu verschwinden. Ein „I Want You So Bad I Can't Breathe“ wird aber nicht jedem dabei über die Lippen gehen wollen.