Interpret:
Official Secrets Act
Plattentitel:
Understanding Electricity
Label:
One Little Indian
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Daniel vom Bruch
Herne, 30.03.2009
Die Engländer sind ja immer ganz schnell beim Erkennen des „Next big thing“. Bei Official Secrets Act halten sich die Insulaner aber merkwürdig zurück. Dabei wären hier Lobeshymnen angebracht. Die vierköpfige Band liefert mit „Understanding Electricity“ ein hervorragendes Debüt ab und beweist damit, dass sie nicht nur was von Elektrizität versteht, sondern auch noch von guter Popmusik.
Jeder, der meint, die Jungs hätten sich Official Secrets Act genannt, weil sie unterstreichen wollen, dass sie der offizielle Geheimtipp von der Insel sind, der sieht sich getäuscht. Der Official Secrets Act ist eher ein politisches Mittel um Informationen, die die nationale Sicherheit betreffen, zu schützen. Ganz so groß legen die vier Jungs aus England ihre Musik aber nicht an. Sie frönen der Popmusik, der fröhlichen. Und machen das ganz hervorragend. Schon der Opener „Mainstream“ hat das Potenzial zum feinen Clubhit. Keyboardklänge, beschwingte Drums plus Schrammelgitarre, dazu eine eingängige Melodie – fertig ist der Kracher. Auf dem Niveau geht es erfreulicherweise weiter. Poppige Songs, die gute Laune und ein Grinsen im Gesicht vermitteln. Das Quartett mixt die Grundstruktur der melancholisch-depressiven Popsongs der 80er Jahre mit einer Menge Fröhlichkeit und Spaß.
Man muss zwar anmahnen, dass manche Stücke ab und zu ganz knapp an der Nervgrenze kratzen, sie überschreiten diese aber nie. Besonders deutlich wird das bei „Hold The Line“, das mit einer 0815-Akkordfolge, die so schon tausendmal vorkam, beginnt. Dazu eine wirklich vorhersehbare Gesangsmelodie in der Strophe. Man ist erstaunt, mit welcher Dreistigkeit die Jungs das vortragen. Doch dann versteht man es: der Refrain – so überraschend gut und schön. Noch sind Official Secrets Act ein Geheimtipp. Aber nicht mehr lange. Den rasanten Aufstieg nach oben haben sie jüngst bei ihren ersten Konzerten in Deutschland miterlebt. Spielten sie am Anfang in Köln noch vor vier (!) zahlenden Fans, waren es kurze Zeit später in München schon 200. Und es werden noch mehr werden. Denn die Jungs verstehen wirklich nicht nur was von Elektrizität, sondern vor allem was von tollen Indie-Popsongs.