DETAILS

Interpret:
Of Montreal

Plattentitel:
Skeletal Lamping

Label:
Polyvinyl / Cargo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 27.10.2008

PLATTENKISTE

Of Montreal - Skeletal Lamping

Of Montreal - Skeletal Lamping

Die typische Indiepop-Band waren Of Montreal nie, und der endgültige kommerzielle Durchbruch mit dem schwierigen „Hissing Fauna, Are You The Destroyer?“ deshalb auch eine kleine Überraschung. Mit „Skeletal Lamping“ hebt das Quintett um Mastermind Kevin Barnes seinen Patchwork-Pop nun einmal mehr auf die nächsthöhere Abstraktionsstufe und bündelt eine unüberschaubare Vielzahl an Songideen und  -fragmenten in insgesamt 15 Songs.

Und es geht gleich zur Sache: Wo „Hissing Fauna…“ dem Hörer mit „Suffer For Fashion“ noch den Einstieg erleichterte, ist „Nonpareil Of Favor“ gleich zu Beginn des Albums eine gehörige Herausforderung, die sich in fast sechs Minuten von Discopop zu dissonantem Noiserock hangelt. Wer hier noch nicht die Stopptaste gedrückt hat, wird in der Folge mit schwülstigem Funk und Falsettgesang in „Wicked Wisdom“ in Sicherheit gewogen, bis auch dieser Song im letzten Drittel in psychedelische Parallelwelten abdriftet. Auf diese Weise geht es über nahezu die komplette Distanz weiter. Lediglich das kurze Pianostück „Touched Something Hollow“ bietet Raum für eine Atempause, und „An Eluardian Instance“ - mit verspielten Gitarrenharmonien und Bläsern - wirkt im Vergleich zum großen Rest beinahe gewöhnlich. „St. Exquisite’s Confessions“ ist nicht die einzige, aber vielleicht die deutlichste Verbeugung vor Prince, dessen Bedeutung für Barnes‘ Songwriting auf „Skeletal Lamping“ unüberhörbar ist.

Auf die Spitze treiben Of Montreal ihr Spiel schließlich im sieben-minütigen „Plastis Wafers“, das mehrfach pro Minute die Spur wechselt und darüber hinaus auch noch mit wundervoll obszönen Lyrics versehen wurde: „I want you to be my pleasure puss / I want to know what it's like to be inside you / I want you to be my pleasure puss / I want to know how it feels / Want to give you that ou ou la la ou la la.“ Überhaupt ist Sex das große Thema des Albums, spielt Barnes gerne mit Doppeldeutigkeiten: „We can do it soft core, if you want / but you should know I take it both ways.“ singt er in „For Our Elegant Caste“, oder  in „Gallery Piece“: „I wanna turn you on / I wanna make you cum two hundred times a day.“

„Skeletal Lamping“ ist also ein quietsch-fideles, knallig buntes und über weite Strecken furioses Vergnügen, das die besondere Stellung von Of Montreal im Indie-Zirkus manifestiert und tendenziell nervöse Typen möglicherweise an den Rand der Reizüberflutung bringen könnte. Abgeschlossen wird es mit der Single „Id Engager“, und wer noch unsicher ist, ob er sich auf das Wagnis „Skeletal Lamping“ einlassen soll, kann sich hier mit dem Video dazu einen Eindruck verschaffen:


 

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