DETAILS

Interpret:
Norman Palm

Plattentitel:
Shore To Shore

Label:
City Slang / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 12.07.2010

PLATTENKISTE

Norman Palm - Shore To Shore

Norman Palm - Shore To Shore

Norman Palm. Noch nie gehört? Vielleicht doch. Gerade seine Coverversionen von Cyndi Laupers „Girls Just Wanna Have Fun“ und The Cures „Boys Don't Cry“ erlangten im WWW große Aufmerksamkeit. So schön anders, so schön erfrischend waren sie doch dargeboten. Wahrlich zwei absolut unverhoffte Versionen, die so nie und nimmer erwartet wurden. Unverhofft deshalb, weil doch niemals jemand gedacht hätte, dass jene Pop-Meisterwerke so ohne weiteres als Singer/Songwriter-Versionen umgemünzt werden können. Schade nur, dass sein Debüt-Album „Songs“ mit ein paar Anlaufschwierigkeiten versehen war. So hatte der studierte Künstler und Designer aus Berlin und Mexiko seine Probleme, das mit einem 200 Seiten umfassenden Booklet ausgestattete Debüt überhaupt an ein Label zu verkaufen. Mit seinem Zweitwerk „Shore To Shore“ dürfte eigentlich alles anders werden.

Dieses Mal verzichtete er gänzlich auf ein selbstentworfenes Booklet und gab die Verantwortung einfach ab, um sich voll und ganz auf das reine Musizieren zu konzentrieren. Und dieses Mal hat er mit City Slang auch gleich einen kongenialen Label-Partner an seiner Seite gefunden. Wie sagte doch ein hochgeschätzter Kollege zu mir, nachdem ich ihm den Tipp gab, sich „Shore To Shore“ einmal anzuhören: „Das ist ja ein typisches City Slang-Release. Und der Typ klingt mal so richtig schön undeutsch! Einfach gut.“ Ja, Tobi, Recht hast du.

Zehn Songs erwarten uns, die alle sachten und locker-leichten Singer/Songwriter-Pop huldigen, der besonders in „Sleeper“ zum Vorschein kommt. Sehr getragen lässt es Norman Palm dabei auf „Shore To Shore“ angehen. Getragen von unaufdringlichen Elektronik-Elementen wie ruhig strahlenden Keyboard-Einlagen, soft tippenden Drumcomputer-Beats und ähnlichem wird er selten langweilig. Und zu allem Jubel ist das etwa nicht eine elektronische Platte geworden, die organisch sein will. Vergleiche zum großartigen James Yuill sind somit zwar ausgehebelt, doch wären damit auch Äpfel mit Birnen verglichen. Norman Palm macht von „Start/Stop“ bis zum finalen „Go To Sleep“ eine durchweg gute Figur, wenn er seine kleinen und großen Träumereien von Hoffnungen und Enttäuschungen auf uns los lässt. Dabei kann er auch einen dezenten Unterton kleiner Böswilligkeiten in seiner aus der Kehle kommenden Stimme beisteuern. Mit Worten wie „I won't meet you again / You won't meet me again“, stellt er von Beginn an in „Start /Stop“ einiges klar. Ein Song, der einen kurzen Höhepunkt hat, sich dabei aber kein Stück weit aufbläht.

Im folgenden „Smile“ zieht er dann die klangliche Dichte mehr an, setzt auf ein Schlagzeug, Up-Beat-Strumming und hüpft dem Titel entsprechend umher. „Images“ hingegen stampft etwas stoisch zu steeldrum-ähnlichen Klängen in Richtung Schwelgereien. Das klingt jetzt wirklich gerade nach klassischen Singer/Songwriter-Anleihen, aber sie sind vorhanden. Wunderbar zu hören im ruhigen „$20“, wo zwar auch elektronische Elemente den Song sachte befeuern, von der gezupften Gitarre und der immer wieder angeblasenen Mundharmonika stets geerdet werden. Wie ein kleiner Walzer kommt das kurze „WDYD?“ mit seinen Okulelen-Klängen daher und im voll klingenden „Landslide“ möchte man einfach eine nicht endenwollende Straße voller Staub und sengender Hitze herunterfahren. Der experimentellste Song dürfte auf dem abwechslungsreichen „Shore To Shore“ aber das dumpf-poppige „Easy“ sein.

Mit Norman Palm wird man so manchen Trip von Küste zu Küste machen müssen, um völlig in Sympathiebekundungen zu verfallen. Sperrig ist er deswegen nicht. Es braucht aber seine Zeit, bis sich einem alle herrlichen Melodiewendungen erschließen, denn die es hier zu Hauf.

Stream: „Shore To Shore“

Norman Palm - Shore to Shore by Norman Palm

 

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