DETAILS

Interpret:
No Age

Plattentitel:
Nouns

Label:
Sub Pop / Cargo

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 16.06.2008

PLATTENKISTE

No Age - Nouns

No Age - Nouns

Mit ihrem Zweitwerk setzen die DIY-Ikonen aus Los Angeles alles auf Kunst. No Age, die bereits mit „Weirdo Rippers“ plötzlich auch außerhalb des Art-Punks vernommen wurden, wollen hier eindeutig mehr als noch vor einem Jahr. Mit „Nouns“ hat man es nicht mehr mit gesammelten Highlights der ersten Jahre zu tun. Nein, ganz den Künsten wandten sich Dean Spunt und Randy Randall zu und profitieren dabei von ihren multiplen Fähigkeiten. Neben den zwölf neuen Tracks in konzeptuellem Gefüge bekommt man auch ein wirklich prall gefülltes Booklet mit ganz vielen bunten aber auch blassen, faszinierenden, anschaulichen und schönen Illustrationen um die Band. Man erfährt aber über die Bilder keine Eindrücke, wie es wohl ist, No Age zu sein. Auf eine subtilere Art jedoch erfährt man sogar mehr als eine ledigliche Tour-Privat-Dokumentation der Band vermitteln könnte. Nämlich, dass sie ihre Fühler auch weiterhin in sehr unterschiedliche Richtungen ausstrecken und dieses gestalterische Element bei ihnen einen festen Stellenwert einnimmt.

Aus allem das Maximum mit den gegebenen Mitteln von ganz alleine ziehen, das ist ihre Devise. Das fängt bei No Age vielleicht mit ihrem generellen minimalistischen Ansatz an und hört bei so etwas wie der Cover-Gestaltung zu „Nouns“ auf. Sie verwirklichen sich auf eine nonchalant ruppige Art als etablierte Künstler einer lokalen Szene auf dem globalen Parkett, was dazu führen kann, dass man sich von ihren Punk-Anleihen schnell überrumpelt und ihrem stetig rauschenden Lo-Fi an die Wand gespielt fühlen kann. Für manch einen mag das alles zu viel des künstlerischen Ansatzes sein, so dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht.

Dennoch, was die zwei Freunde alleine schaffen, gelingt so mancher Band in doppelter Ausführung nicht. Trotz ihrer minimalen Ader klingen No Age so vollmundig wie Les Savy Fav oder so wild wie Sonic Youth in einem früheren Stadium. Ihre zwölf Songs spielen sie dabei in knappen 30 Minuten mit viel Geschrabbel und Noise herunter. „Miner“ knüppelt sich zu schnellen Riffs nur so nach vorne und ebnet den Weg für weitere Kracher der rasanten Spielpraktiken. Der „Eraser“ kommt auf den ersten Blick sogar etwas verträumt daher, bevor die Gitarren gemeinsam mit dem Schlagzeug den Song richtig anfeuern.

Viel Text benötigen No Age nicht. Meistens handeln sie diesen wie ihre Songs ebenfalls sehr schnell ab und verzichten dabei auf eine überproduzierte Gesangsstimme, die perfekt jeden Ton trifft und deutlich im Vordergrund des ganzen steht. Sie bevorzugen es auf „Nouns“ alles so schräg wie nur irgendwie möglich klingen zu lassen und filtern ihre Musik mit einem durchgängigen Brei der Rauscherei.

„Things I Did When I Was Dead“, „Keechi“ und „Impossible Bouquet“ sind die wohl ruhigsten Tracks auf diesem Album, die erst gar nicht versuchen, die Tempo-Distortion-Schallmauer des eigentlichen Klangs der Platte zu durchbrechen. Die beiden zuletzt genannten Lieder sind reine Instrumentals, die komplett auf eine Klanglandschaft setzen, statt sich selber zu zerhacken. Ganz anders sieht es da wiederum bei „Cappo“ und „Sleeper Hold“ aus, die wieder deutlich die Verzerrungen in die Gitarren hauen und das Schlagzeug rotieren lassen. Mit den feinen Hi-Hat-Anschlägen im Zwischenteil von „Sleeper Hold“ klingt der Song sogar nach einem richtigen Indie-Track. Und mit „Here Sholud Be My Home“ erreicht man dank der quäkenden Gitarren dann gänzlich den Indie-Olymp. Der Schlussstrich auf „Nouns“ wird dann nur noch durch den „Brain Burner“ gezogen, der sich spätestens hier auch beim Hörer einstellen wird.


 

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