Interpret:
Nicoffeine
Plattentitel:
Lighthealer Stalking Flashplayer
Label:
Blue Noise / Rough Trade
VÖ:
25.02.2011
Punkte:
5.5 von 10
Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 23.02.2011
Was muss das für ein Heidenspass sein!? Guido Lucas (kennt man, oder?), Soheyl Nassary und Jörg A. Schneider kloppen mit vitalem Elan auf ihre hoffentlich gut versicherten Instrumente. Das alles dauert eine gute Stunde. Wer also Stress mit lärmempfindlichen Nachbarn hat oder seiner Freundin schon immer ein romantisches Versöhnungsmixtape schenken wollte, kann getrost die Finger von dieser Platte lassen. Alle anderen dürfen zuhören, wie Nicoffeine mit ihrem neuen Album „Lighthealer Stalking Flashplayer“ miese Laune zum guten Spiel machen. Und zu was für einem!
Das Gros der Songs basiert stark auf freier Improvisation. Die Gitarren holen, was die Effekte betrifft, so ziemlich alles aus dem Sack, was ein Musikalienhändler anzubieten hätte und zeitweise kommt es zu unendlichen Überlagerungen von Klangflächen, die hier und da von Drones und Krach gebrochen werden. Dass bei all der Anti-Aggressions-Therapie die drei Herren ihren Sinn für Humor nicht verloren haben, zeigen die Songtitel: „Holy Hell Of A Himmel“, „I Always Shine When You Say Nein“ oder „Prügelperser“. Letzterer Song wird gegen Ende förmlich zum Programm. So düster und schlechtgelaunt der Grundtenor der Platte scheint, so vitaler und humorvoller wirkt sie, je öfter sie auf einen hereinprasst. Der unermessliche Spieltrieb des Trios mag als solcher viele Gemüter überfordern. Aber darum geht es.
Als wäre Ornette Coleman für ein Wochenende mit Naked City und McLusky in ein verdrecktes Irrenhaus im europäischen Osten eingesperrt. Der Kassettenrekorder auf dem Boden nimmt eiskalt alles mit. So ähnlich geht „Lighthealer Stalking Flashplayer“, das aktuelle Produkt des nunmehr ständig fluktierenden Line-Ups von Nicoffeine. Entspannter ist man hiernach sicher nicht, ja, man möchte doch glatt die Netto-Kassiererin vermöbeln, weil es mal wieder alles zu lange dauert! (Kennt man auch, oder?) Für diese kostengünstige Psychoanalyse sollte man Nicoffeine schon jetzt dankbar sein. Um deutlich zu werden: die Platte eckt an, wer intelligente, kranke, Noise-Improvisationen mag, möge kaufen und schweigen. „Kompromisslos, No Genre please!“, sagen die Can-Hörer dieser Tage. „Teufelsmusik! Wer soll das ertragen?“, rufen die 40-jährigen Reamonn-Hörer jener Tage.
Was auch immer die Unken rufen mögen, die Platte ist alles, nur eins nicht: Indie-Rock.