Interpret:
Nada Surf
Plattentitel:
If I Had A Hi-Fi
Label:
Mardev Records / ADA Global / Warner
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
4.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 17.05.2010
Es ist ja an und für sich nichts Schlechtes wenn man einer Band attestiert, sie klinge wie sie selbst. Im schnelllebigen Musikgeschäft bietet gerade die Besinnung auf eigene Stärken die Möglichkeit, sich von anderen Bands abzugrenzen und sich somit seine Fanbase zu sichern. Im Falle von Nada Surf und ihrem neuen Cover-Album „If I Had A Hi-Fi“ ist der Fall jedoch ein wenig anders gelagert. Hier ist es gerade der typische „Nada-Surf-Sound“ der dafür sorgt, dass das Album irgendwo zwischen „gut gemeint“ und „bedeutungslos“ auf halbem Wege versandet.
Dabei zeugt die Songauswahl für den exquisiten Musikgeschmack der drei Amerikaner. The Go-Betweens, Coralie Clement oder Arthur Russell werden unter anderem auf „If I Had A Hi-Hi“ mit Coverversionen geehrt. Doch meistens fehlt es der Band am nötigen Feintuning, möchte die Band auf Teufel komm raus die Songs in eine Richtung lenken, in die sie partout nicht hingehören. Am Deutlichsten wird dies beim Depeche Mode-Klassiker „Enjoy The Silence“. Hier taucht die Band durch schmierigen Synthie-Brei und aufgeblasene Stadion-Effekte. Dazu leiert Sänger Matthew Caws die bedeutungsschwangeren Worte des Textes mit einer lethargischen Gleichgültigkeit herunter, als würde er gerade die Zutaten einer Tütensuppe einer Gruppe Taubstummer vorlesen.
Damit hätte man dann aber auch schon den absoluten Tiefpunkt des Albums erreicht, das mit fortschreitender Spieldauer durch angenehme Oberflächlichkeit glänzt. Nada Surf scheinen es sich zum Ziel gesetzt zu haben, möglichst wenig anzuecken, indem sie die Songs kurzerhand aus ihrem ursprünglichen Kontext entreißen und in waschechte Nada Surf-Formen stülpen. Das mag zwar nicht so schlimm klingen, doch man muss sich blutleere Interpretationen wie das mäandernde „Electrocution“ oder das schlagerhafte „You Were So Warm“ in seiner ganzen vakuumverpackten Ideenlosigkeit antun, um dann ungläubig mit dem Kopf zu schütteln: Ist das tatsächlich die Band, die einen vor Jahren mit einem Meisterwerk wie „Let Go“ verzückte? Ist das die Band, die vor langer, langer Zeit einmal gravitätische Songs wie „Blonde On Blonde“ schrieb?
In manchen Momenten scheint der Song dann aber doch zu mächtig, zu riesig zu sein, dass nicht einmal Nada Surf in dieser Verfassung ihm etwas anhaben kann. Kate Bushs „Love And Anger“ ist eine ätherisch quergebürstete Hymne, dem die Band nur ehrfurchtsvoll zunicken kann. Spoons „Agony Of Lafitte“ schlabbert so vor sich hin, bis der Song in den letzten 20 Sekunden im dreckigen Off zeigt, wie man den Song hätte spielen müssen. Und wer den Mut hat, „Question“ von den Moody Blues gar nicht einmal schlecht zu covern, der bekommt gleich noch einen Sympathiepunkt als Bonus. Doch selbst mit diesem reicht es schlussendlich nicht, den eigenen Ansprüchen zu genügen.