DETAILS

Interpret:
Mos Def

Plattentitel:
The Ecstatic

Label:
Downtown / Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 21.09.2009

PLATTENKISTE

Mos Def - The Ecstatic

Mos Def - The Ecstatic

Wohl kein anderer amerikanischer HipHop-Interpret hat in den letzten Jahren für so viel Furore gesorgt, wie der 36 jährige Dante Smith aka Mos Def. Polarisierend ist da wohl der beste Ausdruck, wenn von seinen künstlerischen Ausflügen in andere Gefilde wie dem Film oder dem Broadway die Rede ist. Doch muss man dies hier auch nicht weiter diskutieren, denn seine Musik, sein eigentliches Steckenpferd wurde nach der Veröffentlichung von „The New Danger“ (2004) mehr als kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite standen Grammy-Nominierungen und auf der anderen, nach dem gelungenen Solo-Debüt „Black On Both Sides“ (1999) und dem gefeierten „Blackstar“ (1998), das er noch gemeinsam mit Talib Kweli aufnahm, die teilweise schwer enttäuschten Kritiker und besonders Fans. Als Mos Def dann auch noch 2006 zwischen Weihnachten und Neujahr „True Magic“ veröffentlichte, ging die Meinungsschere plötzlich ganz weit auseinander. Polarisierend halt.

Und auch um sein nun veröffentlichtes, fünftes Album versammeln sich zwei Lager mit ambivalenten Meinungen. Aber auch, wenn „The Ecstatic“ spaltend sein mag, man bekommt das Gefühl nicht los, dass es dem Kontra-Lager nur um einen obligatorischen Schlagabtausch geht, als einzusehen, dass Mos Def mit dieser Veröffentlichung fast alles richtig macht. Ja, Mos Def bedient sich auf „The Ecstatic“ an alten Beats von Madlib und dessen jüngeren Bruder Oh No. Deshalb aber gleich die Frage zu stellen, ob dies „up to date“ sei, ist kleinlich. Sind drei bis vier Jahre alte Beats das jetzt schon nicht mehr? Fest steht, dass Mos Def aus den Beats der beiden noch eine Menge mehr rausholen kann, als so manch anderer Interpret vor ihm. Es hätte ja nicht unbedingt Oh Nos „Heavy“ für den Opener „Supermagic“ sein müssen, denn so verzückend kann der orientalische Beat mit all seiner drückenden Schwere dann auch nicht für jeden sein.

Innovation hin oder her, was Mos Def auf „The Ecstatic“ macht, hat einfach überwiegend Hand und Fuß. Sein Flow ist frisch und anspornend, seine Raps kritisch und locker geht noch immer als ein Top-Garant des Underground-Raps der Ostküste durch. Es gibt sie aber, die lahmeren Durchhänger auf „The Ecstatic“, jedoch bei 16 Tracks sind ein paar Prozent Durchfallquote erlaubt. So ist beispielsweise das auf Spanisch gerappte „No Hay Nada Mas“ lässig, aber auch einschläfernd. Mos Def klingt dort, als hätte er zu kräftig am Joint gezogen. Der Groove von „The Embassy“ leiert mit seinem orientalischen Sample zu sehr, während der Beat etwas stoisch durchläuft.

Bei Mos Defs Auswahl der Beats muss wohl das Augenmerk auf genügend Staubigkeit geprüft worden sein. Es knistert, rauscht ein bisschen und mit so viel groovender Wärme im Ohr, die sich mit Mos Defs angenehmer Art zu rappen vermengt, müsste eigentlich klar sein, dass diese Verbindung einfach lässig ist. „Pistola“ ist ein auf Xylophonen getragene Nummer, die, obwohl Schuss-Samples ertönen, keine Gesellschaftskritik ausübt, sondern Beziehungen vom Himmel holt. Funky. Richtig wuchtig wird es dann mit „Twilite Speedball“, wenn die opulenten Bläser-Samples zum Angriff blasen. „Auditorium“ feat. The Ruler - einer von nur drei Feature-Tracks - klingt mit seinen Streichern wie eine taktische Großstadt-Kriegsführung. „Priority“ ist mit seinen anderthalb Minuten Länge der kürzeste, aber auch mit seinem Klavier und den Bläsern der eingängigste, coolste Song auf „The Ecstatic“. Brooklyn make some noise!

Das ganze Gerede über Pro und Contra kann man sich sparen. „The Ecstatic“ ist vielleicht nicht das HipHop-Album 2009 geworden, ist aber eines der besten. Es ist auch nicht Mos Defs bestes Album, dafür aber eines, womit er sich eindrucksvoll nach all den Kontroversen zurückmeldet. Eine weitere Liebeserklärung an den Charme der Ostküste, ein „Pretty Dancer“, der vielleicht noch irgendwann „History“ schreiben wird. „You can't stop my go / I've been born to be where I am / Bright light from a distant star Miracles don't stop“ („Casa Bey“).

 

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