DETAILS

Interpret:
MIT

Plattentitel:
Nanonotes

Label:
V2 / Cooperative Music

VÖ:
10.09.2010

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 23.08.2010

PLATTENKISTE

MIT - Nanonotes

MIT - Nanonotes

Es gibt einige Gründe, um bei MIT vor Neid zu erblassen. Oder besser, um vor MIT den Hut zu ziehen. Nicht nur, weil das junge Trio bereits diverse Platten in Umlauf gebracht hat, sich gewieft mit einem Demo-Tape beim Peaches-Manager profiliert hat und somit prompt als Vorprogramm für Shows in England und Deutschland gebucht wurde: Man beachte dabei, dass es sich um drei Twens handelt, die zu dieser Zeit noch in der Klausurphase des Abiturs saßen. Vor MIT sollte man aber vor allem den Hut ziehen, weil sie die Pioniertaten deutscher Elektroniker und Krautrocker aufarbeiten wie keine zweite junge Band es zurzeit tut. Die deutsche Ära, in der Kraftwerk die ganze Musikwelt revolutionierten, wird auf „Nanonotes“ zum ersten mal gebührend adaptiert.

Mit „Nanonotes“ veröffentlichen MIT ihren bereits siebten Tonträger und scheinen gleichzeitig ihren Sound gefunden zu haben. Fest stand: „Analog zu arbeiten war für uns eine zwingende Maßgabe.“ In Jas Shaw - die eine Hälfte von Simian Mobile Disco - fand man einen Produzenten, der das nötige Know-How sowie wandschrankgroße Modular-Synthies beisteuerte. Tamer Özgönenc eignete sich den Umgang mit den analogen Elektroriesen prompt selber an und was dabei herausgekommen ist, ist nun auf „Nanonotes“ wiederzufinden.

In „Hydra“ geben die Synthesizer ein Echo aus seichten Melodien und werden von der Stimme von Edi Winarni gefasst: „Folg ich diesen Spuren, ist es nicht mehr weit. / Lauf ich diese Straße lang, bin ich gleich da. / Hör ich die Signale, bin ich sicher nah. / Laufen wir die Straße lang, sind wir gleich da.“ Der Beat krakselt durch die synthetische Dunkelheit, Widerhall lauert an allen Ecken. „Fieber“ zeigt verhalten auf die Tanzfläche und man erlebt ein Kafka-High, wenn man sich denn darauf einlässt. MIT erinnern durch ihre Retroperspektive an Bands und Kollektive wie Neu!, Can und vor allem Kraftwerk, bleiben dabei aber mit ihrem jugendlichen Charme dennoch innovativ. Es mangelte in der Vergangenheit zwar nicht an Adepten der Elektro- und Krautrockpioniere, selten jedoch schafften deutsche Musiker es, die Güte der Vorbilder zu erreichen.

Strahlende Wärme und eiserne Kälte, Tiefgang und Befremden finden sich hier gleichzeitig für eine knappe dreiviertel Stunde zusammen und hinterlassen bleibenden Eindruck und ein, zwei Hits. Ein Soundtrack zum Gebilde des Covers, gemalt vom vielfach ausgezeichneten Immendorf-Schüler Alexander Ernst Voigt. Dunkel, verstörend, packend.

Stream: „Pudong"

MIT - Pudong by Mit Vergnuegen


 

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