DETAILS

Interpret:
Miike Snow

Plattentitel:
dto.

Label:
Sony BMG

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 09.11.2009

PLATTENKISTE

Miike Snow - dto.

Miike Snow - dto.

Der Bandname klingt wie eine japanische Anime-Heldenfigur, doch ganz so martialisch geht es auf dem selbstbetitelten Debütalbum dann doch nicht zu. Statt avantgardistischer Noise-Attacken beglückt uns das schwedisch-amerikanische Trio mit einer ausgeklügelten und raffinierten Mixtur aus elektronischen Spielereien und einer Wanne voll Popappeal. 

Um einen abgehackten Klavierloop herum bauen Miike Snow sachte und liebevoll die erste Single „Animals“ auf. Andrew Wyatts raue Stimme kämpft sich dabei Schritt für Schritt aus dem Hintergrund nach vorne, bis am Ende nichts bleibt als ein glasklarer Hit, der für strahlende Gesichter sorgen wird. Auch „Burial“ ist diese Art verträumter Pop, mit dem Air vor vielen Jahren einmal Standards setzten. 

Doch nicht alles auf „Miike Snow“ badet in diesem epischen Wohlklang. „Plastic Jungle“ erinnert uns noch einmal daran, mit wem wir es hier eigentlich zu tun haben: Christian Karlsson und Pontus Winnberg haben sich als Songwriter unter dem Pseudonym Bloodshy & Avant bereits einen Namen gemacht und sind verantwortlich für Hits von Madonna, Kylie Minogue und nicht zuletzt Britney Spears, für die sie 2004 den Hit „Toxic“ schrieben. Zwar besitzt nichts auf diesem Album die Künstlichkeit dieser Hitsingle, doch kommt das kalt dräuende „Plastic Jungle“ diesem in Punkto Schlagfertigkeit schon ziemlich nahe: „I was born into money / Then sold down the river / I was choked by the jailor / And fucked the gorilla“ wird hier geheimnisvoll gesungen, bevor im Refrain die masochistische Seite zum Vorschein kommt: „Sometimes I wanna get slain“. Man könnte sich diese Zeilen auch sehr gut aus dem Munde Britney Spears‘ vorstellen, ist dann aber doch ganz froh, dass dies nicht der Fall ist. Besser könnte der Song unter keinen Umständen mehr werden.

Zumeist geht es jedoch eine Gangart gemächlicher zu, lassen sich die Vorbilder im Geiste eher beim zurückgelehnten Retro-Sound der Junior Boys statt bei billigem (wenn auch gutem) Plastikpop finden. Mit welcher Selbstverständlichkeit Miike Snow dabei einen Ohrwurm an den nächsten reihen und mit nur wenigen Handgriffen und vereinzelten dreckigen Synthies einen unverwechselbaren Sound kreieren, lässt uns für die Zukunft auf weitere Großtaten hoffen. Doch bereits im Hier und Jetzt wird uns „Miike Snow“ wie ein treuer Freund durch den Winter begleiten.


 

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