DETAILS

Interpret:
Midlake

Plattentitel:
The Courage Of Others

Label:
Bella Union / Cooperative Music / Universal

VÖ:
29.01.2010

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 25.01.2010

PLATTENKISTE

Midlake - The Courage Of Others

Midlake - The Courage Of Others

Vor vier Jahren erzählte mir mein bester Freund eine Geschichte, die mich sehr bewegte. In dieser Geschichte flüchtete ein Tier vor einem naturverbundenen Jungen, der die Schönheit eines solchen Tieres einfangen wollte, indem er mit dem Tier, oder vielmehr hinter dem Tier her lief. Das Tier jedoch sah in dem Jungen eine Gefahr und flüchtete. Bald ließ es den Jungen hinter sich. Es lief und lief und konnte in dem Augenblick als es die Klippe sah nicht mehr zum Stehen kommen und fiel in den darunter liegenden Fluss.

So, oder so ähnlich, lautet die Geschichte, die mir mein Freund erzählte. Sie heißt „Chasing After Deer“ und stammt aus dem großartigem zweiten Album „Trials Of Van Occupanther“ von Midlake. Nun, nach eben vier Jahren, erscheint ihr drittes Studioalbum „The Courage Of Others“ und bringt gewohnte Folk-Melancholie mit ein bisschen mehr Melancholie.

Alles begann mit einem Jazz-Quintett, fünf Jazz-Studenten die sich The Cornbread All-Stars nannten. Lange dauerte es nicht, bis sich die Band um orientierte und sich inspiriert von Radiohead und Granddaddy in Richtung alternative Rockmusik bewegte. 2004 kamen Midlake bei dem britischen Label Bella Union unter Vertrag und „Bamnan and Slivercork“ erschien. 2006 folgte die nächste Veröffentlichung mit „The Trials Of Van Occupanther“. Nun, 2010 setzt die aus Texas stammende Band ihr drittes Album „The Courage Of Others“ drauf.

In „The Courage Of Others“ geht es auf der selben Schiene weiter, wie auf „The Trials Of Van Occupanther“. In gewohnter Sanftheit singt uns die Stimme von Tim Smith, die stellenweise eine originalgetreue Imitation des großen Rufus Wainwright sein könnte, die feinen Zeilen: „If all that grows / Starts to fade, starts to falter / Oh let me inside, let me inside not to wake“. Gitarren-Arpeggio mit düsteren Bassläufen, die sich wiedereinmal auf Symbiose mit Gesang und Rest einlassen. Hier und da eine direkte Parallele zu Einflüssen, die sich leicht bestimmen lassen, wie zum Beispiel die Jethro Tull-Querflöte in „Small Mountain“, lassen die Band sympathisch wirken. Und wenn Smith dann Zeilen wie „Taking in the sounds and ways of creatures upon the earth / Great were the rivers I swam waiting out the sun“ aus „Winter Dies“ raus haut dann ist das eben eine Augenweide für die Sinne.

„The Hore“ beginnt mit einer Instrumentalisierung, die vom Grunge über Psychedelic Rock hin zur bekannten Midlake-Mischung führt, die auf diesem Album ihrer Vollkommenheit nahe kommt. Midlake kommen leise, Midlake kommen laut daher und sind immer wie ein Roman J. R. R. Tolkiens. Tatsächlich kann man sich von „The Courage Of Others“ für knappe vierzig Minuten in eine andere Welt verschleppen lassen und ist danach ein etwas besserer Mensch. „Rulers, Ruling All Things“ macht mit „I ran with a freedom and sang in between“ Programm. Eine großartige Band, die man unbedingt live erleben muss und die hoffentlich noch ein paar Geschichten in petto hat.

 

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