Interpret:
Mastodon
Plattentitel:
Crack The Skye
Label:
Reprise / Warner
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 25.05.2009
Bevor mich die beinharten Mastodon-Fans vom Fleck weg steinigen, hier noch ein Hinweis in eigener Sache: Die brachiale Gewalt, die ungezügelte Energie der ersten drei Alben kenne ich nur vom Hörensagen und den leuchtenden Augen alteingesessener Fans der ersten Stunde. Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil wirkt, entpuppt sich beim Hören von „Crack The Skye“ dann doch als kleiner Vorteil. Während eingefleischte Fans das neue Album vorurteilsbeladen hören, ja, es nahezu als Sakrileg abstempeln, kann ich als Neuling mich voll und ganz der Musik widmen. Also, Play-Taste gedrückt und los gehts...
Proggiger, weniger metallisch soll es auf „Crack The Skye“ zugehen und gleich der Opener „Oblivion“ gibt die Marschrichtung vor. Da zucken stroboskopische Gitarrenblitze im Stakkato einer Höllennähmaschine vom Himmel, während Songfetzen an mein Ohr dringen: „Bright eyes fading / Faster than stars falling“...„I tried to burrow a hole in the ground / breaking all the fingers and the nails from my hand“. Eine phantastische Welt wird hier in wenigen Sätzen und Wendungen aufgebaut, so phantastisch wie das Konzept, das hinter der Platte steckt: Ein Mann verlässt seinen verkrüppelten Körper auf eine Astralreise, um dann im Körper Rasputins zu landen, kurz vor dessen Ermordung. Auf dem Weg dorthin gerät er noch in ein Wurmloch und wird in die Welt der Geister gezogen.
Man darf da gerne mit der Nase rümpfen bei so viel konzeptueller Liebe zum Detail, doch lässt sich „Crack The Skye“ auch ohne dieses Hintergrundwissen hervorragend goutieren. So schwerelos wie der Protagonist der Geschichte reisen Mastodon durch die verschiedensten Stile, verweben harte Riffs mit sphärischen Orgeleinlagen, bauen beiläufig ein altbackenes Gitarrensolo ein, das man unter anderen Voraussetzungen als einfältig und kitschig abtun könnte, das hier jedoch im Gesamtkontext hervorragend passt.
Während ein kurzer Song wie „Divinations“ noch fest auf dem Boden des Metal fußt (obwohl auch hier ein Banjo für artfremde Klänge sorgt), sind vor allem die beiden Über-Zehn-Minüter „The Czar“ und „The Last Baron“ interstellare Reisen in unbekannte Regionen. Ersterer schält sich langsam aus seinem Kokon, auf den jemand mit einem fetten Marker „Pink Floyd“ geschrieben hat, um dann nach vier Minuten zu einem Killerinsekt zu mutieren, das angriffslustig aggressiv durch die Luft fliegt, nur um sich zum Schluss in einer Art Rückbesinnung auf den Anfang in ein ausuferndes und überbordendes Finale zu steigern, neben dem selbst der Schluss der „Herr der Ringe“-Trilogie wie ein studentischer Kurzfilm wirkt.
Der Presseinformation kann man entnehmen, dass Mastodon sehr stolz sind auf „Crack The Skye“. Zu recht, mag man an dieser Stelle anmerken, öffnet dieses Album doch wie selbstverständlich das Tor zu Artverwandtem wie Tool. Das muss den treuen Fans nicht unbedingt gefallen. Als Neuling macht es einem „Crack The Skye“ jedoch relativ einfach, sich in der Materie Mastodon zurechtzufinden. Ein Album, so schwitzend und voller Energie auf der einen Seite, dabei genauso schwerelos und ohne körperliche Anstrengung eingespielt. So, wer jetzt noch will, der Werfe dann den ersten Stein.