DETAILS

Interpret:
Madlib

Plattentitel:
Beat Konducta 5-6: Dil Cosby & Dil Withers Suite

Label:
Stones Throw / Groove Attack

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 26.01.2009

PLATTENKISTE

Madlib - Beat Konducta 5-6: Dil Cosby & Dil Withers Suite

Madlib - Beat Konducta 5-6: Dil Cosby & Dil Withers Suite

Einst antwortete Madlib in einem Interview auf die Frage, was er den ganzen Tag machen würde, wenn er nicht gerade unterwegs sei, dass er aufsteht, sich an sein Equipment setzt und von morgens bis abends Beats aus dem Hut zaubert. Auf diese Weise würden pro Tag so einige neue Beats entstehen. Kaum verwunderlich, dass der ungekrönte König an der MPC nach J Dillas Tod über die Jahre hinweg nicht nur tausende Beats gebastelt, sondern auch bei der Fülle an unterschiedlichen rhythmischen Konstruktionen einen Ausweg aus der Eingeschränktheit einer einzigen Person gefunden hat, die er verkörpert.

Für seine neueste Komposition arbeitete er mit seinem Label-Partner J. Rocc zusammen, der genauso wie Madlib selber bereits den ein oder anderen Mix legendärer J-Dilla-Beats postmortem veröffentlicht hat. Somit verstehen sich die Teile 5-6 Madlibs „Beat Konducta“-Serie einmal mehr als ein Konzept, mit klar ausgerichtetem Ziel. Die beiden Freunde verfolgen in 42 wohlportionierten Tracks unverkennbar dessen Spuren auf den Pfaden, die er klanglich beschritt. Bei der Fülle an musikalischem Output, die Madlib einem da mal wieder serviert, läuft einem schon jetzt das Wasser im Mund zusammen. Einen etwas ärgerlichen Wermutstropfen haben die Episoden „...5-6: Dil Cosby & Dil Withers Suite“ aber schon. Stones Throw hätte diese beiden Werke von Beginn an als Gesamtwerk veröffentlichen sollen.

Was mit Dillas „Donuts“ begann, ist bei Stones Throw längst zum alltäglichen Geschäft geworden. Einmal mehr wird das Produzenten-Handwerk in den Fokus gerückt. Das ist es, was diese Alben so einzigartig und hypnotisierend macht. In kurzen Häppchen, die das Underground-Hip-Hop-Herz im Beat höher schlagen lassen, setzen sie Denkmäler. Im Schnitt mit etwas über einer Minute Länge ist das mit über vier Minuten „Never Front (Ears Up)“ die Ausnahme, die die Regel bestätigt. Abheben tut es sich aber trotzdem nicht vom sonst so homogenen, warmen Klang der „…Dil Cosby & Dil Withers Suite“. Hierfür haben sich die beiden wohl mal wieder die Finger staubig gesucht in den privaten Archiven unzähliger Soul-, Funk- oder Rhythm-&-Blues-Platten, deren Samples sie großzügig auseinander geschnitten und im schläfrig holpernden Stil wieder zusammengelegt haben wie in „Rebirth Cycle (Super Soul)“. Die MPCs werden unter ihren Händen entweder zu wabernden Leierkasten - „The Main Inspiration (Coltrane Of Beats)“ - oder zu kernigen Beatgeschossen wie „Slapped Up (Snap N' Clap)“.  

Die „…Dil Cosby & Dil Withers Suite“ packt alles in einen Schleier aus Watte, der stets durch knusprige Samples aufgelockert wird („J's Day Theme #3 (Support)“). Mit weichgespülten Beats hat das alles nichts zu tun. Wenn Madlib, J. Rocc oder einst J Dilla etwas produzieren, dann fühlt es sich an, als ob man mit der Brille der abgezockten Coolness des 21 Jhd. auf die Vergangenheit blickt („Beat Provider (Through The Years)“). Weshalb auch die in manchen ihrer Tracks untergebrachten 8bit-Samples nicht wie all zu gekünstelte Modernitäten des Produzierens klingen. Die lässigen Bassläufe, die hier verwendet und aufgebläht werden, wummern noch Stunden nach dem Spielen der Platte nach. Und die Keys können sich hier wahrlich alles erlauben. Egal, ob wohlige Souligkeit im Hammond-Stil, stramme Fuzz-Einlagen wie „Detroit Playaz (Gator Walk)“, smarten Piano-Läufen in „King Chop (Top Line)“ bis hin zu schillernden Synthesizern in Shades Of Pete (Super)“ fügt sich alles im homogen und warm verpackten Stil, der sich lässig seinen Weg bahnt. Und obwohl die beiden Dilla damit Tribut zollen, sie seine dezidierte Opulenz der Lässigkeit anreißen, kann man hier nicht davon sprechen, dass hier irgendjemand wen imitiert.

Der einzige, der hier imitiert wird, sind sie selber. Madlib zeigt zwar, dass er sich selbst zitieren kann oder ein Sample für ihn nicht nur einen Song bereichern soll, er kann es aber auch zuweilen an Verweisen übertreiben. So finden sich auch hier für den Findigen Madlib-Hörer die klingenden Zeichen auf ein Paar seiner vergangenen Werke, die er mit einer anderen Identität veröffentlicht hat. Des weiteren sind die immer wieder auftauchenden Hörner, Hupen und Sirenen, die J Rocc und Madlib bereits für ihre Podcast-Mixe benutzten, weitere schöne Zeichen („Get Dollaz (24-7)“). Aber irgendwie auch nichts anderes als eine weitere Erweiterung der eigenen Intertextualität.


 

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