DETAILS

Interpret:
Luise Pop

Plattentitel:
Time Is A Habit

Label:
Siluh Records / Al!ve

VÖ:
13.01.2012

Punkte:
6.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 11.01.2012

PLATTENKISTE

Luise Pop - Time Is A Habit

Luise Pop - Time Is A Habit

Jens Friebe nennt dies „schlaue, abgründige, sexy Kunst". Überprüft man die Charakterisierung des Chansonier anhand von „Time Is A Habit", so muss schnell festgehalten werden: Recht hat er, aber. Zuallererst wäre da die Kunst, denn Luise Pop sind Konzept und Theorie, gepaart mit abwechslungsreichen Musikvorlieben, doch klarer Verortung im Regalmeter „Independent Rock". Eingängige Melodien gespickt mit – Achtung, zweites Friebe-Wort – allerlei Abgründen Rhythmuswechseln und textlichen Herausforderungen. Denn, wir erinnern uns, Luise Pop sind ja auch ungemein schlau.

Hier allerdings liegt nun das Hauptproblem des Albums. Die Wien-/Berliner Band möchte den Hörer beinahe aufdringlich wissen lassen, dass hier zum fair gehandelten Moccachino täglich mindestens ein Buch gelesen oder ein Theaterstück aufgeführt wird. Es ist indes kein Fehler, wenn der kulturelle, intellektuelle Horizont weiter, als bis zum nächsten Starbucks reicht, doch sollte man dies subtiler vermitteln, statt damit hausieren zu gehen. Ein verkanntes Genie wird man nicht über Nacht.

Aber kommen wir zur erfreulichen Feststellung, dass Luise Pop in den guten Momenten in der Lage sind packenden Budenzauber zu veranstalten. „Black Cat" etwa ist eine Definition von Powerpop. Bikini Kill und The Organ treffen die Bangles und aus der Ferne schauen Pretty Girls Make Graves zu und nicken zustimmend. Die Band kann dunkel und dringlich, wenn sie will. Lasziv ja, aber nie ohne den Kopf völlig auszuschalten. Luise Pop ist kein leichtes Mädchen und setzt ihre weiblichen Reize strategisch und als Köder ein. „Baby, there's blood on the back seat", heißt es in „Fat Yellow Moon" und man darf das gerne als Warnung verstehen.

Weniger Kopf mehr Bauch, lautet daher der abschließende Wunsch.

Video: „Black Cat"


 

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