DETAILS

Interpret:
Los Campesinos!

Plattentitel:
Romance Is Boring

Label:
Wichita / V2 + Cooperative Music / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 01.02.2010

PLATTENKISTE

Los Campesinos! - Romance Is Boring

Los Campesinos! - Romance Is Boring

Es war ein Tohuwabohu, als im Jahr 2008 Los Campesinos! auf der Bildfläche erschienen. Von überall kam Konfetti und es hieß tanzen, tanzen, du und ich. Ein tolles Jahr. Ein fast denkwürdiges Ereignis, als „You! Me! Dancing!“ zum ersten Mal aus dem Proberaum in Cardiff, Wales schallte und kurze Zeit später auch zu uns herüber schwappte. Seitdem ist eigentlich gar nicht so viel Zeit vergangen, und trotzdem reicht die siebenköpfige Studenten-Band ihr drittes Studio-Album ein.

Für das neue Album „Romance Is Boring“ ließen Los Campesinos!, wie auch bei „We Are Beautiful, We Are Doomed“ John Goodmanson an die Regler, der schon Platten von Death Cab For Cutie und Pavement produzierte. Es hat sich nicht viel getan, außer das Aleksandra, die bis vergangenen Jahres die Keys bediente, sich entschieden hat ihr Studium fortzusetzen. An ihrer Stelle steht nun die Schwester von Sänger Gareth.

Bereits auf den ersten Blick könnte man eine Veränderung zwischen den Platten von Los Campesinos! erkennen. Zierte das Cover von „Hold On Now, Youngster“ noch amüsante Riesen- und Zwerggeschöpfe, ist es auf „Romance Is Boring“ ein Frauenbeinpaar, das mit einem Blut-Rinnsal versehen ist. Laut eigenen Angaben handelt das Album vom Tod und Zerfall des menschlichen Körpers, Sex, verlorener Liebe, Nervenzusammenbrüchen und Fußball. Wer jetzt denkt, dass die sieben Briten Trübsal blasen, der irrt. Wie unser Chefredakteur so treffend formuliert hat, haben sich Los Campesinos! zur Aufgabe gemacht „stets gegen den Wind zu pissen“, und das gilt auch heute noch.

Langsam geht es mit „In Medias Res“ los, das sich im Laufe der Zeit als großes Auf-und-Ab-Crescendo entpuppt, um dann mit geballtem Trompeten-Glockenspiel-Gitarren-Gewitter in „There Are Listed Buildings“ einzubrechen. Mit frohlockenden Melodien und intelligenten Texten geht es hier weiter. Zwischen lauten Alle-hauen-auf-ihre-Instrumente-ein-Strophen verirrt der Basslauf sich im Klangwald und stößt auf Gareths so englische Stimme, der man bedingungslos alles glaubt. „I think I'd do it for love if it were not for the money. / I'll take any scraps that you can give.“ Die erste Single-Auskopplung könnte mit der frechen Gitarre und seinen simplen Akkorden glatt ein guter Art-Brut-Song sein. Wenn alle schreien „We're proving to each other / That romance is boring“ möchte man allen sieben Stimmen wieder Glauben schenken. Schaut man sich den dazugehörigen Video-Clip an, stimmt man sogar lauthals zu und mit ein.

Mit „Straight In At 101“, ein lupenreiner Pop-Song, beginnt die zweite Hälfte des Albums. Ging man Anfangs mit der Haltung in den ersten Hördurchgang, dass fünfzehn Songs definitiv zu viel für einen Longplayer sind, kann man beim zweiten keinen Song finden, der irgendwie völlig stört. Und doch tauchen Momente wie „I Warned You: Do Not Make An Enemy Of Me“ auf, die einen ziemlichen Entwicklungsschritt nicht verbergen können. „Got soul! Got vision! Got mind to leave here. / You soon made an enemy of me.“ War es auf „ Hold On Now, Youngster“ noch Euphorie in Dur ist es jetzt Euphorie in Moll. So wie einst in „Don't Tell Me To Do the Math(s)“ glänzen auch hier die Stimmen des weiblichen Anteils mit prägnanten Melodien und im gewohnten Wechsel. Doch auch die tieftraurigen Dramatiker stecken in dem Kollektiv, was sie mit „The Sea Is A Good Place To Think Of The Future“ beweisen. Besonders hier machen die sonst so beiläufigen Streicher einen guten Job, wenn sich Zeilen wie „I ask her to speak French and then I need her to translate, I get the feeling she makes the meaning more significant.“ an die Töne klammern können.

Sucht man nach einem Prädikat für die neue Los Campesinos! macht sich das Anfangsgefühl wieder breit, dass ein Album kompakter sein muss, als es hier scheint. Die Damen und Herren aus Cardiff haben es wieder einmal geschafft, den Hörer durch und durch zu begeistern, ohne wirklich was neues zu bringen. Schließlich kann man nur sagen: „Prädikat: sehr sehr gut.“

Video: „Romance Is Boring“

Los Campesinos "Romance Is Boring" from Alanedit on Vimeo.


 

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