Interpret:
Lindstrøm & Christabelle
Plattentitel:
Real Life Is No Cool
Label:
Smalltown Supersound / Al!ve
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Bastian Küllenberg
Wuppertal / Düsseldorf, 15.02.2010
Nach seinem Hit „I Feel Space" und dem umjubelten Longplayer „Where You Go I Go Too" gilt der norwegische Produzent Lindstrøm in Fachkreisen als heißes Ding in Sachen Disco. Kein Wunder also, dass seine Kollaboration mit der Sängerin Christabelle nicht nur bei den Kollegen von Pitchfork zu einem der sehnlichst erwarteten Alben in 2010 zählt.
„Real Life Is No Cool" heißt das Album, bei dem sich der Produzent im Vergleich zum komplexen Soloalbum ganz strikt auf den Pop konzentriert. Viele der Songs entstanden vor oder während der Arbeit zum Vorgänger, so dass eine wechselseitige Beeinflussung zwischen weitläufiger Nachtmusik und schwitzigem Clubsound der Sorte Jay-Jay Johannson spürbar ist. Der Opener „Looking For What" stellt die schlüssige Verbindung her und deutet bereits zaghaft an, dass sich auf diesem Album einiges um die frühen 80er-Jahre drehen wird. Bevor es jedoch aufs glatte Tanzparkett geht, serviert Hans-Peter Lindstrøm mit „Lovesick" einen der Höhepunkte der Platte. Entspannt und treibend zugleich, zeigt sich hier die ganze Kunst der Beatbastelei.
Im Folgenden bekommt man mit „Let It Happen" oder „Keep It Up" viel Tanzbares zu hören, dürfen die Synthies den Takt bestimmen. Es bleibt Geschmackssache, welche Dosis Disco man verträgt, solide produziert ist dieser Pop ganz sicher. Offensichtlich wird diese wieder bei „Baby Can't Stop", dessen Melodie und Beats ohne Abwandlung als verschollenes Michael-Jackson-Instrumental herhalten könnten. Besonders die Bläser tragen die tanzende Masse in glückseeligen Taumel, auch wenn Sängerin Christabelle hier ein weiteres Mal kaum mehr als nettes Beiwerk ist.
Der Knackpunkt und fade Nachgeschmack des Albums liegt darin, dass es zu keiner Zeit ein ausgewogenes Duett ist. Viel zu oft spürt man einen deutlichen Qualitätsunterschied zwischen Musik und Gesang. Die Stimme ist schlicht zu dünn für solch effektvolle, ins Scheinwerferlicht drängende Klänge. Hier hätte es zur letzten Konsequenz der Plakativität einer Donna Summer oder Gloria Gaynor bedurft.
Am Ende kann man Lindstrøm den Albumtitel allerdings nicht abnehmen. Um ein streckenweise derart glitschiges Album souverän verkaufen zu können, muss man sich schon für eine ziemlich coole Sau halten und in einer von Problemen weitgehend verschonten Existenz sein Leben fristen. „Real Life Is No Cool" ist damit ein leicht verschmitztes, selbstischeres Statement eines großen Disco-Könners.