Interpret:
Lightspeed Champion
Plattentitel:
Life Is Sweet! Nice To Meet You
Label:
Domino / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Jan Nicolai Kolorz
Köln, 22.02.2010
Life Is Sweet! Nice To Meet You. Angenehm, ebenfalls. Mit so einer freundlichen Einladung hört man doch gerne mal in den zweiten Longplayer von Devonté „Dev“ Hynes rein. Der Gitarrist der ehemaligen Londoner Noise-Discoteers Test Icicles liefert nach seinem Debut „Falling Off The Lavender Bridge“ 12 eindringliche Popsongs, zwei Intermissions und eine wunderschöne kleine Klavieretüde. Was sich hier nach wildem Eklektizismus und Verwurstelei anhört, harmoniert im Gesamtkonzept. Durch die kreative Knute von Ben Allen, welcher sich verantwortlich für Produktionen aus dem Hause Gnarls Barkley und Animal Collective zeigte, begegnet uns eine folk-lastige Indie-Platte, die an jeder Ecke mit Überraschungen aufwartet. Musikalische Unterstützung - nicht dass er sie bräuchte - erhält er von SpaceCamp, dem 60s-Pop Trio aus Brooklyn, bekannt als Tourband Adam Greens.
Wenig bleibt von dem Omaha-geprägten Sound des Vorgängers übrig, und doch verwertet er seine musikalischen Einflüsse unaufdringlich und erfolgreich. Der anfangs zurückhaltende Opener „Dead Head Blues“ endet plötzlich mit einer orchestralen Opulenz, die manchen Bowie-affinen Hörer ein Schmunzeln entlocken würde. Es folgt die erste Single „Marlene“ mit einem extrem erdigen und tanzbaren Upbeat – auch hier streut Dev Hynes ein Geigenstaccato zwischen einem ganzen Sack von Percussions und Männerchören rein, während der Song es schafft, dennoch nicht all zu überladen rüber zu kommen. Kranke Textzeilen wie „Stick a spoon into your heart / And eat away all your Deutsch Marks“ („Marlene“) verkauft der urbane Styler, den der New Music Express 2008 auf den 20. Platz als „coolest person of the year“ wählte, trotz aller Verschrobenheit recht gut.
Die unsägliche Dynamik von „Life Is Sweet! Nice To Meet You“ ensteht durch die wohl durchdachte Mischung aus pompösen Pop-Frachtschiffen, die im nächsten Moment runterfahren, als wäre vorher nichts gewesen. Kleine Momente der Entspannung werden durch Songs wie „Smooth Day (At The Library)“ abgelöst von der beispielhaften Country-Nummer „Sweetheart“, die wohl am ehesten an seine Aufnahmen und Shows mit der alten Saddle-Creek-Bande erinnert. „The Big Guns Of Highsmith“ erinnert ein wenig an einen Hybriden aus den Boomtown Rats und David Bowie, doch bei soviel gewagter Zartheit und intelligenter Frische lässt man das Meckern und Fünfe gerade sein.
Der Lightspeed Champion wird seinem Meistertitel nicht nur als wandernder Second-Hand-Laden und Kyp-Malone-Double (TV On the Radio) gerecht, sondern auch als höchst fleißiger junger Mann mit enorm hohem künstlerischen Output. Nach einer Stimmbandoperation schrieb er Kurzgeschichten, arbeitete an einem Comic Buch, steuerte seine Fähigkeiten für das neue Album des UK Elektro-Duos Basement Jaxx bei, nahm mit Solange (der Schwester von Beyoncé) auf, eröffnete vor kurzem für Owen Pallett, trug anlässlich von Moondogs 10.Todestag Lieder aus seinem „Sax Pax For A Sax“ mit dem London Saxophonic vor, verbreitete zwei herrliche Elvis-Coverversionen im Internet und startete ein weiteres Soloprojekt namens Blood Orange, welches er gerne noch dieses Jahr raus hauen möchte. Dev Hynes ist gerade einmal 23 Jahre alt. It was nice meeting you, Mr Hynes.
Video: „Marlene“