DETAILS

Interpret:
Klaxons

Plattentitel:
Surfing The Void

Label:
Polydor / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 30.08.2010

PLATTENKISTE

Klaxons - Surfing The Void

Klaxons - Surfing The Void

Vielleicht war ja alles nur ein perfekter Marketing-Schachzug, lanciert von den Klaxons selbst, um den immensen Druck ein wenig abzufedern. Der Druck, den jede Band nach einem sehr guten Debüt bei den Aufnahmen zum zweiten Album verspürt. Der Druck, der nach dem sensationellen „Myths Of The Near Future“ verstärkt von allen Seiten auf die Klaxons einprasselte und sich im „Mercury Music Award“ 2007 manifestierte. Wie kann man solch einer Erwartungshaltung gerecht werden, ohne auch nur annähernd zu enttäuschen?

Die Klaxons suchten ihr Heil in der eigenen Demontage und gaben letztes Jahr freimütig zu Protokoll, dass ihre Plattenfirma die Band wieder ins Studio bestellt habe, nachdem sie die erste Fassung des Zweitwerks zu hören bekamen und von dem Ergebnis alles andere als begeistert waren. Anders als Wilco bei „Yankee Hotel Foxtrot“ beharrten die Klaxons nicht auf ihrer musikalischen Vision, sondern suchten sich mit Ross Robinson einen Produzenten, der durch seine Arbeit mit The Cure, Slipknot oder At The Drive-In schon Erfahrung mit Problemfällen hatte.

Allein aufgrund dieser Vorgeschichte hört man „Surfing The Void“ mit ganz anderen Ohren. Man erwartet gar nicht erst den großen Meilenstein, das bahnbrechende Album, das die Klaxons auf ein neues Level hieven wird. Bestenfalls hofft man auf eine mediokre Platte, die das Theater im Vorfeld der Veröffentlichung einigermaßen ausblenden kann. Und in diesem Moment hat man sich mit dem Opener „Echoes“ bereits ganz überraschend und ohne Deckung den ersten Punch in die Rippen abgeholt. 

Denn das ist nicht das Werk einer Band, die orientierungslos auf der Suche nach der verlorenen Linie ist. „Echoes“ ist ein Ausrufezeichen, das wie ein trotzig entgegenstreckter Mittelfinger alle Zweifel mit einem Male auswischt. Hier haben wir alles, was die Klaxons bereits auf ihrem Debüt auszeichnete - das Chaotische, das Manische, das Ausufernde, das am Ende immer wieder in einem grandios eingängigen Refrain mündet. Dabei sind die Songs immer kurz davor, im Wahnsinn zu ersticken. Der Titeltrack scheint mit doppelter Geschwindigkeit aufgenommen worden zu sein, nur um ihn dann ein wenig einzubremsen. Von überall her fliegen einem die Stimmen ans Ohr, das Schlagzeug prügelt sich scheinbar wahllos durch einen zerhackten Beat, rückwartslaufende Klavierloops tauchen auf. Man hat das Gefühl, auf einen außer Kontrolle geratenen Kindergeburtstag geraten zu sein, wo zu allem Überfluss ein havariertes UFO auf der Torte gelandet ist.

Das spacige „Venusia“ spielt nicht nur wegen seines Titels in der selben Galaxie wie „Cydonia“ (da, wo die Knights herkommen), sondern auch wegen des Falsettgesangs im Refrain, den abgehobenen Gitarren, die wie Weltraumkeyboards klingen. Überhaupt fliegt „Surfing The Void“ nicht nur wegen der Astronautenkatze auf dem Cover schnurstracks ins All. Das Album klingt auch noch wie der hallzuniatorische Trip eines an Sauerstoffmangels leidenden Kosmonauten, der plötzlich alles nur noch in grellbunten Farben sieht, kurz bevor das Licht ausgeht.

Es dauert ein paar Hördurchläufe, bis man hinter all den sinistren Details, den wahnsinnig ausufernden Ideen schlussendlich den Song in all seiner Klarheit erkennt. So wie die Augen sich zunächst an helles Licht gewöhnen müssen, so muss man den Songs die Zeit geben, sich in all ihrer Pracht entfalten zu können. Also alles genau wie bei „Myths Of The Near Future“, mit dem Unterschied, dass man dieses Mal nicht darauf vorbereitet war.

Video: „Echoes“


 

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