DETAILS

Interpret:
Kellermensch

Plattentitel:
dto.

Label:
Vertigo / Universal

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

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Autor:
Dominik Knauf
Köln, 13.07.2011

PLATTENKISTE

Kellermensch - dto.

Kellermensch - dto.

Die Assoziationen, die der Bandname dieser außergewöhnlichen dänischen Band beim Hörer unmittelbar weckt, führen geradewegs und ohne Umschweife zum Kern der Musik des selbstbetitelten Debüts: kalt, dunkel, modrig feucht und mit einem Hauch Grusel behaftet ist „Kellermensch“ geworden, das in seiner irrwitzigen Kombination aus Avantgarde-Rock, Metal- und Hardcore-Anleihen in der heutigen Musiklandschaft seinesgleichen sucht.

Mag die Eröffnungsnummer „Intro“ mit seinem Prügel-Western-Groove und den heiser und unverständlich gekeiften Lyrics noch ein wenig verstören, so ändert sich die Stimmung spätestens mit dem folgenden Stück schlagartig. „Moribund Town“ vereint den flirrenden Desert Rock der Queens Of The Stone Age mit der geigengeschwängerten Abseitigkeit der frühen dEUS, mixt hierzu noch eine Prise Fucked Up und garniert das ganze mit einem Pump Organ-Break, als hätte man das Kaizers Orchestra auf Valium gesetzt. Aus diesem nahezu undurchdringlichen Zitatenwust erschaffen Kellermensch jedoch eine Nummer, die einen wie vor Frankensteins Monster ehrfürchtig erschaudern und in verschreckter Bewunderung sprachlos zurücklässt.

In der Single „Army Ants“ klingen Kellermensch im Vergleich zu „Moribund Town“ fast handzahm, wenn sie mit Arcade Fire-Pathos eine Hymne über den freien Willen singen - obwohl der Song für sich genommen immer noch vor überbordender Energie strotzt und  eine komplette Reihenhaussiedlung einen Monat mit Strom versorgen könnte. Überhaupt lassen Kellermensch gerne die Muskeln spielen und setzen gekonnt schwer krachende Hardcore-Passagen ein, die im Kontrast zu ruhigen, fast kammermusikalischen Parts stehen. Wie Kellermensch diese unterschiedlichen Stile kollidieren lassen, sie wie mit Lehm zu etwas komplett Neuem zusammensetzen, hat eine morbide Erhabenheit, die man so von anderen Bands bislang noch nicht gekannt hat.

Mit dem dämmrig-scheppernden Neil Young-Cover „Don‘t Let It Bring You Down“ wagen sich Kellermensch mit Erfolg an einen alten Klassiker, ehe das Album in „30 Silver Coins“ mit trauernden Mariachi-Trompeten und Springsteen‘scher Lebensweisheit kämpferisch ausklingt: „If there‘s a road...I‘ll run / If there‘s a coast...I‘ll swim“. Nur rennen und schwimmen? Nach dem Hören dieses beeindruckenden Debüts weiß man, dass Kellermensch noch so viel mehr als nur das können.

Video: „Moribund Town“ Live at P3

Kellermensch "Moribund Town" Live P3 Danmarks Indsamling. from Persona Non Grata Records on Vimeo.


 

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