Interpret:
Kashmir
Plattentitel:
Trespassers
Label:
Sony
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 15.03.2010
Nur vier Jahre sind vergangen seit dem letzten Kashmir-Album „No Balance Palace“. Vier Jahre, die sich aber wie gefühlte acht anfühlen. Zu glatt war das von Bowie-Intimus Tony Visconti produzierte Album, zu rockig und geradlinig für Kashmir-Standards, so dass es schnell im Plattenschrank des Vergessens verstaubte. Man sehnte sich zurück ins Jahr 2002, als die vier Dänen mit „Zitilites“ ihr unangefochtenes Meisterwerk veröffentlichten. Ein Werk, für das Kashmir den internationalen Durchbruch verdient gehabt hätten. Doch es sollte nicht sein.
Nun also „Trespassers“, das wiederum in alten, bekannten Gefilden herumstreunt. Bereits das Intro zum Opener „Mouthful Of Wasps“ besteht aus einem langgezogenen, orgelähnlichen Gitarrenintro, das funkelt und glitzert wie hundert zerschossene Glühbirnen. „A list of things that should be said / now weighs a forest on your tongue“ singt Kasper Eistrup und lässt seine Stimme dabei ungemein fern klingen, nur um im Refrain gegen die sich auftürmenden Gitarren anzukämpfen.
Vielleicht liegt es am Produzenten Andy Wallace (Jeff Buckley), dass Kashmir wieder verschnörkelter und melodieverliebter zu Werke gehen. Das mit Vocoderstimmen im Stile von Radioheads „Kid A“ verfremdete „Pallas Athene“ entwickelt sich nahtlos zum Mitternachtsbeat, mit dem „Still Boy“ die dunkle Rollbahn entlangschlittert. Da ist sie wieder, diese von „Zitilites“ so geschätzte Einsamkeit, die sich in schwärzeste Leere verwandelt. Aufgebaut mit den einfachsten Mitteln. „Trespassers“ tappt jedoch nicht in die Selbstmitleidsfalle, sondern erhöht sich in seinen aufgetürmten und voller Energie strotzenden Refrains zu hymnischer Größe. Das hat nichts mit protziger und überladener Angeberei zu tun und schon gar nichts mit schmierigem Stadionrock. Wenn dann in „Danger Bear“ zu einem alten Klavier und feierlichen Streichern die Lichter langsam erlöschen, weiß man, dass sich die acht Jahre des Wartens gelohnt haben.
Video: „Still Boy"