DETAILS

Interpret:
Kasabian

Plattentitel:
West Ryder Pauper Lunatic Asylum

Label:
Sony BMG

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Köln, 08.06.2009

PLATTENKISTE

Kasabian - West Ryder Pauper Lunatic Asylum

Kasabian - West Ryder Pauper Lunatic Asylum

So ergeht es Größenwahnsinnigen eben. Gerade wollten sie noch das „Empire“ erobern, schon sitzen sie im „West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ und überlegen, was denn so alles schief gelaufen ist in den letzten Jahren. Trotz des Erfolges und zweier guter Singles wollte „Empire“ vor drei Jahren nämlich nicht recht zünden, hatte das Album vor lauter Schubkraft vergessen, den Überholknopf zu betätigen und blieb so im ersten Gang stecken.

Nun öffnen sich also die Tore zum Irrenhaus, nachdem man die letzten Jahre unter Donnergrollen und zuckenden Blitzen von außen nur  dunkle Umrisse in den erhellten Fenstern erkennen konnte. Man wird von vier Gestalten in Empfang genommen, die ihrem Aussehen nach ihren Größenwahn noch immer nicht abgelegt haben. Das sind definitiv nicht die Wärter und auch sonst gibt es auf dem dritten Kasabian-Album keine Spur von Vernunft. Aus dem Keller dröhnt das maschinelle Intro der ersten Single „Underdog“, die genau 16 Sekunden benötigt, bis der Motor anspringt und den Startschuss für diesen typischen Kasabian-Sound gibt, den man vom ersten Album so liebgewonnen hatte: Ein dumpf ratternder Schlagzeugbeat, irrlichternde Gitarren und Backgroundchöre aus dem Nachlass der „Be Here Now“-Sessions von Oasis. Das alles zusammen ergibt einen wahrhaft großartigen Rocksong, der am Ende des Jahres so manche Bestenlisten anführen wird, wenn es um den Song des Jahres geht.

„West Ryder Pauper Lunatic Asylum“ verbindet das beste der beiden Vorgängeralben und schafft daraus eine komplett neue Welt. Fokussiert (wie auf dem Debüt) und trotzdem großspurig schillernd (wie „Empire“). „Where Did All The Love Go“ beginnt mit einem typisch minimalen Chemical Brothers-Beat aus der „Surrender“-Phase und wird durch allerlei Psychedelia- und Blumenkinderutensilien zu einer farbenfrohen Woodstockparty für die heutige Generation. „West Ryder Silver Bullet“ ist ein Spaghetti-Western mit fernöstlichem Einschlag und Schauspielerin Rosario Dawson („Sin City“) als Tom Meighans Duettpartnerin. „Ladies And Gentlemen (Roll The Dice)“ bedient sich am Twin Peaks-Titelthema, während „Vlad The Impaler“ das Schicksal Graf Draculas musikalisch in Szene setzt. Den letzten Feinschliff verpasste niemand Geringeres als Dan „The Automator“ Nakamura, der unter anderem DJ Shadows Meisterwerk „Endtroducing“ produzierte. 

Wenn man dieses Irrenhaus nach 52 verschwitzten Minuten freudestrahlend und mit gutem Gewissen wieder verlässt, stellt man überrascht fest: das Gras blüht auch hier, die Wolken sind verschwunden und die Sonne strahlt. Die vier Insassen winken noch einmal freundlich zum Abschied in der Vorahnung, dass ihre Entlassung kurz bevor steht. Wenn sie denn wollen.


 

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