Interpret:
Junior Boys
Plattentitel:
Begone Dull Care
Label:
Domino / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 18.05.2009
„If you found the words / would you really say them?“ Besser hätte der Einstieg in das neue Junior Boys-Album „Begone Dull Care“ gar nicht ausfallen können. Die Art und Weise, wie Sänger Jeremy Greenspan die Worte ins Mikrofon haucht, lässt einen keine Sekunde daran zweifeln, dass er das eben Gesagte ernst meint. Selbst der musikalische Einstieg in das Album mit den „Love Of The Common People“-Anleihen von Paul Young wird hier nicht peinlich, wie man es eigentlich nach dem eben gelesenen annehmen könnte. Nein, die Junior Boys saugen aus diesem dunklen Fleck der Achtziger alle Energie, um ihre dumpf polternde E-Lok in Gang zu kriegen. Ein Saxophon, verhalten im Hintergrund, heizt ein, während die Synthies sich wie pastellfarbene Tücher über den Song legen.
Willkommen zurück im Universum der beiden Jungs aus Kanada. Niemand hätte es ihnen verübelt, wenn ihr drittes Album den Standard von „So This Is Goodbye“ aus dem Jahr 2006 nicht hätte halten können, so übermächtig überrollte der Vorgänger einen jeden, der sich auch nur teilweise auf dieses Album einließ. Umso größer ist die Freude bim Hören ihres neuen Albums. Spätestens ab dem zweiten Song, „Work“, stellt man erleichtert fest, dass die Junior Boys ihr Meisterwerk sogar noch übertrumpfen können.
Da sind selbstverständlich wieder die maschinellen Querverweise auf Kraftwerk, die allerdings durch den weichen Gesang Greenspans eine ganz eigene Dynamik entwickeln. Hier pulsiert und pocht alles, hier rattert und klackert nichts. Mehr Mensch als Maschine. Organisch könnte man das nennen, wenn dieses Wort nicht eine gewisse naive Unbedarftheit enthalten würde. Denn auch ein Song wie „Dull To Pause“, der klingt, als hätten die Junior Boys diesen an einem Sommertag unter einem Apfelbaum aufgenommen, hat diesen unterkühlten metallischen Unterton, der wie eine Schlange listig von einem Ast hervorlugt.
Mit welchem Stilbewusstsein Jeremy Greenspan und Matt Didemus zu Werke gehen ist beeindruckend. Wie kaum eine andere aktuelle Band schaffen sie es, die Achtziger so funky und schick klingen zu lassen, wie sie es in echt wohl nie waren. Und mit „Bits & Pieces“ haben die Junior Boys einen waschechten Clubhit auf dem Album, der „In The Morning“ vom Vorgänger in nichts nachsteht. Im Ganzen ist „Begone Dull Care“ eher ein Update anstelle eines Upgrades von „So This Is Goodbye“ geworden. Verständlich, denn wie könnte man ein fast perfektes Album noch viel besser machen?