Interpret:
Julian Plenti
Plattentitel:
Julian Plenti Is...Skyscraper
Label:
Matador / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.5 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 10.08.2009
Julian Plenti? Nie gehört? Wer soll das denn sein? Auch die ersten 16 Sekunden des Albums mit seinem Killers-artigen Einstieg und den Störgeräuschen geben keinen genaueren Aufschluss. Doch dann ist er da, dieser schwermütige Bass, der direkt aus den Tiefen Joy Divisions‘scher Seligkeit zu stammen scheint und man beginnt zu erkennen: Julian Plenti ist niemand Geringeres als Paul Banks, der niemand Geringeres ist als der Sänger der New Yorker Band Interpol, die mit ihren bisherigen drei Albumveröffentlichungen das Musikbild der Nuller-Jahre maßgeblich mitbeeinflusst haben.
Für den gemeinen Interpol-Fan wird es auch auf diesem Solo-Album typische Momente der Wiedererkennung geben. „With all the fun that we have / We have come so far“ singt Plenti ununterbrochen, während die Gitarre über unreine Akkorde schrammelt und wirkt dabei genau so unüberzeugt von seiner eigenen Aussage wie auf dem Cover seines Albums, wo er einsam und verlassen eine Party für sich selbst gibt. Dazu gibt es einen billigen Drumcomputerbeat und LoFi-Fiepsen. Einige Songs könnten frühe Demoversionen von Interpol-Songs sein, die mit ihrem Charme die eine oder andere Unebenheit ausbügeln können.
Natürlich singt Plenti wie von Interpol gewohnt wie hinter hundert Vorhängen mit ein wenig zu viel Distortion auf der Stimme, die ihm eine übermenschliche Größe verleiht. Doch die wahre Errungenschaft von „Julian Plenti...Is Skyscraper“ sind die Exkurse in ungewohntes Terrain. Da überrascht „Unwind“ mit einer Keyboard-Fanfare im Stile (nur im Stile!) von Europes „Final Countdown“, schlängeln sich in „Skyscraper“ Flöten und akustische Gitarren zu einem Espers-haften Zauberwaldmythos. Es sind vor allem die ruhigen Töne, die aus dem Debütalbum ein eigenständiges Werk machen, das gleichberechtigt neben den Werken der Hauptband steht und besteht. „You can live your whole life in a cave, man“ singt Plenti in „No Chance Survival“. Paul Banks hat sich als Julian Plenti herausgetraut aus der Höhle und siehe da: Die Sonne scheint auch für ihn.