DETAILS

Interpret:
Johnny Foreigner

Plattentitel:
Johnny Foreigner Vs. Everything

Label:
Alcopop / Cargo Records

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Julia Seiffert
Köln, 01.02.2012

PLATTENKISTE

Johnny Foreigner - Johnny Foreigner Vs. Everything

Johnny Foreigner - Johnny Foreigner Vs. Everything

"Johnny Foreigner vs. Everything". So heißt das neue und mittlerweile vierte Studioalbum des junges Trios aus Birmingham, England. Treffender hätte man ihre Einstellung zum wohl größten Feind, dem Musikbusiness, nicht beschreiben können. Fast schon rebellisch wehren sie sich gegen grammynominierte Produzenten, irgendwelche Verträge von Plattenbossen oder professionelles Getue. Vielleicht haben Johnny Foreigner deshalb keine nennenswerten Erfolge verbuchen können und bleiben weiterhin auf ihrem Geheimtippstatus sitzen, vielleicht auch nicht. Klar ist jedoch, dass es keine Band ist, die die Angst vor dem Versagen lähmt. Der Glaube an das eigene Können, der kämpferische Unterton, es jedem Zeigen zu wollen, ist laut zu hören. Sie kokettieren mit ihrer DIY-Attitüde und agieren dabei völlig angstfrei. 

Diese unbeschwerte Leichtigkeit, dieses Verspielte und leicht Naive wirft einem der Longplayer ab der ersten Minute um die Ohren. Das macht Spaß und ist erfrischend abwechselnd. Der vor schwarzem Humor strotzende Opener „If I'm The Most Famous Boy You've Fucked, Then Honey, Yr In Trouble“ wirft einen mit lautem Getöse aus den Tiefen der sonntäglichen Langeweile und Dauermüdigkeit. Mit ohrenbetäubenden Geschrammel endet alles wie es begann. Kurz und schmerzlos. Was man nach der Nummer gar nicht erwartet, tritt ein. Süß und verspielt singt ein Mädchen und wird von einem leisen trommelndem Schlagzeug begleitet, welches als dezente Beatzugabe dient. Eine schöne, leichte Popnummer, die den sofortigen Weg in den Gehörgang findet und dort auch erst mal verweilt. 

Neben einigen schnellen Nummern mit kreischenden Gitarrenlinien wie „Electricity vs. Dead“, bei der man schwören könnte, dass Kele Okereke vor einem steht, gibt es unter anderem auch richtige Balladen wie „Johnny Foreigner Vs. You“. Diese Emo-Piano-Ballade im Duogesangstil liegt nah am vollkommenem Kitsch, aber noch weit genug von der verschreckenden Kuschelrockstimmung entfernt. Eine ganz andere Welt eröffnet sich bei „Concret 1“. Es ertönt ein leichtes Rauschen, als ob man am Fahrbahnrand einer Autobahn steht. Knistern gesellt sich dazu und eine sanfte Stimme, die eine Geschichte so zauberhaft leise flüstert, dass man sich in ihr verlieren könnte. In großer Schmusemanier geht es weiter mit dem schmerzverzerrten Track „Jess, You Got Yr Song, So Leave“, der leidend das Ende einer Liebe besingt. Hier entsteht ein rasanter, mitreißender Wechsel von langsam zu schnell. Es gleicht einem Schauspiel und artet fast in eine Musicalnummer aus. 

„(Don't) Show Us Your Fangs“ ist der mitunter eingängigste Song. Er handelt von der Einsamkeit und der Distanz, von dem Aus und Ein in neue Städte, wo man nichts und niemanden kennt und keine Zeit hat, etwas kennenzulernen. Dieses Gefühl von Nostalgie und Isolation wird durch eine wunderschön melodiöse Gitarre, einem Glockenspiel und leichtem Beckentrommeln begleitet. Zusammengefasst ergibt dies eine zuckersüße Mischung. Es entsteht ein Gegenpol zur depressiven Grundstimmung, der diese somit abflacht und aufwiegt. 

Hier geht es ganz klar um große Gefühle, über Freunde, Feinde und die Schönheiten und Schrecken des Alltags. Irgendwo zwischen den Textzeilen findet man sich wieder, als ob man ein Teil des Ganzen wäre. Die Songs begeben sich hinüber in das Alltägliche und füllen Tag für Tag mit Lebensgeschichten. Das man hier aber einen ganzen Roman verfassen könnte, um alles wiedergeben zu wollen, ist schier zu viel des Guten. Siebzehn Lieder an der Zahl umfasst „Johnny vs. Everything“. Da es einige Songs gibt, die sich stark ähneln, hätte man das Ganze auch getrost auf zehn Stück minimieren können. Es wäre in sich geschlossener und würde endgültiger wirken. Denn das Hauptproblem, welches hier vorzufinden ist, ist ein wirres Auf und Ab, denn die Struktur ging leider an der hohen Dichte der Songs verloren. 

Stream: „(Don't) Show Us Your Fangs“


 

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