DETAILS

Interpret:
James Yuill

Plattentitel:
Movement In A Storm

Label:
Moshi Moshi / Cooperative Music / Universal

VÖ:
18.06.2010

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 15.06.2010

PLATTENKISTE

James Yuill - Movement In A Storm

James Yuill - Movement In A Storm

Ganz unvermittelt ist James Yuill vergangenes Jahr in mein Leben getreten. Irgendwie planlos schlenderte ich über das Festivalgelände des Melt!-Festivals und Bekannte zogen mich nachmittags in das Gemini-Zelt. Auf der Bühne stand dieser völlig gewöhnliche Kerl mit Brille, vor ihm sein Laptop und ein kleines Mischpult, vor seinem Bauch die Akustikgitarre. Was in diesen vierzig Minuten geschah, war alles andere als gewöhnlich und passiert einem nicht häufig im Leben. Man wird in einen Bann gezogen von etwas, das man nicht kennt, die Melodien, Bilder schwirren im Kopf herum und wollen nicht gehen. Dies ist mir zuvor wohl zuletzt bei einem Bloc-Party-Gig in Düsseldorf vor Jahren mit den Stars im Vorprogramm geschehen, nun eben James Yuill am Nachmittag.

Angefangen hat es mit James Yuill vor fünf Jahren. Sein selbst produziertes Debüt-Album „The Vanilla Disc“ steckte wohl noch zu sehr in den Kinderschuhen und gelangte nur zu mäßigem Erfolg. Der Umzug nach London und der Wechsel zu Moshi Moshi Records, die dann später „Turning Down Water For Air“ veröffentlichten, brachten ihn merklich weiter. Die Idee der Folktronica war zwar nach The Postal Service nichts neues, dennoch konnte James Yuill einige Sympathisanten finden und spielte somit auf Festivals wie eben dem Melt! oder dem SXSW.

„Movement In A Storm“ folgt diesem Geheimrezept unbeirrt weiter und liefert erneut Leckerbissen, die mit wundervoll simplen Texten und der richtigen Mischung aus Akkord und Beat überzeugen können. Wie aus dem nichts kommen monotone Synthieklänge in 80iger Manier, die von der Stimme Yuills und mehr und mehr von kleinen Raffinessen umzingelt werden, bis es im nächsten Song „Crying For Hollywood“ zur Flucht kommt und ein satter Beat die gewohnte Klangkulisse ausmalt, dabei immer tanzbar und sympathisch direkt. „You discover a rainbow, you discover a rainbow with me. Why you crying for season, why you crying for hollywood?“. „First In Line“ scheint dann der erste Über-Hit zu sein, so wie es „No Pins Allowed“ und „This Sweet Love“ vom Vorgänger-Album waren. Mit vielschichtigen Keys und spannungstreibenden Effekten wird hier die Monotonie gejagt und aus Stunden werden Jahre gemacht, in nur 4 Minuten und 36 Sekunden. Justice werden dann erst mal zurückgeschraubt und machen Platz für Nick Drake, gespickt mit orgelähnlichen Tönen. Das aber auch nur, damit saftige Beats umso kraftvoller in die Ohren der Hörer springen können. „On Your Own“ brilliert erneut mit Vielschichtigkeit und der freundlichen Stimme, die wunderbare Melodien vorträgt und man sich vorstellen könnte, dass Kindergarten-Kinder beim Besuch im Altersheim zusammen mit den Alten frenetisch tanzen und Spaß haben.

Es ist eigentlich alles gleich geblieben bei den Songs, die dieser Nerd in seinem Schlafzimmer zusammen geschraubt und geklebt hat. Diese Tatsache stört aber in keiner Weise, da die ungewöhnliche Kombination aus Folk und Electro einfach nicht gänzlich ausgerollt ist. Seine selbst gebastelten Kollagen sind farbenfroh und persönlich und überzeugen bis zuletzt mit einfallsreichen Rhythmusverschiebungen und solidem Gitarrenspiel. Ruhiger wird’s zum Schluss des Albums mit Songs wie „Wild Goose At Night“ und „Ray Gun“, bis dann „Taller Son“ mit einem durchgehenden Beatkonstrukt, Claps, Synths und der bis dahin unverwechselbar gewordenen Stimme zur Fortsetzung zwingt und es immer so weiter gehen könnte.

Video: „On Your Own“

James Yuill - On Your Own (MUAU 12.0) from Pequena Suricata on Vimeo.


 

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