DETAILS

Interpret:
James Holden

Plattentitel:
DJ-Kicks

Label:
!K7 / Al!ve

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 31.05.2010

PLATTENKISTE

James Holden - DJ-Kicks

James Holden - DJ-Kicks

Am 4. September 1995 startete das Berliner Elektro Label !K7 Records ihrer Compilation-Serie „DJ-Kicks“. Dass sich diese Serie über fünfzehn Jahre erfolgreich hält, hätte sich wohl selbst Label-Gründer Horst Weidenmüller nicht träumen lassen. Die Idee dahinter ist simpel: Namhafte Künstler aus verschieden Bereichen der elektronischen Musik spielen ein DJ-Set ein, das sowohl tanzbar, als auch für die privaten Gemächer anwendbar sein soll. In den vergangenen fünfzehn Jahren traten so Musiker wie Tiga, Four Tet und Erlend Øye oder gar Bands wie Hot Chip in den Wohnzimmern und Partykellern von Liebhabern gepflegter Elektro-Musik auf, komprimiert auf einer Platte.

Nun ist der britische Techno-DJ James Holden an der Reihe seine DJ-Künste unter Beweiß zu stellen, wobei er das in der Vergangenheit schon zur Genüge getan hat. Angefangen hat alles in den Semesterferien seines Mathematikstudiums in Oxford. Der durch sein Elternhaus musikalisch schon früh erzogene James Holden versuchte sich an zusammengesuchtem Equipment, und Queen-Platten wichen mehr und mehr M83, Four Tet und Mogwai. Mit „Horizons“ gelang es ihm, die Aufmerksamkeit der Techno-Szene auf sich zu lenken und es dauerte nicht lange, bis er bei dem Label INCredible unter Vertrag stand. Es folgten die Gründung des eigen Labels, erfolgreiche Remixe für Nathan Fake und gar Britney Spears wurde für den normalen Menschen hörbar. Gründe genug für !K7 sich diesen Kerl ins Boot zu holen.

Es beginnt völlig ruhig, Uhren ticken, Geräusche aus der Nacht. Über eine Minute verstreicht bis sich die Melodie so langsam aufrollt und der Beat setzt erst im nächsten Song ein. Piano Magic, eine britische Ambient-Post-Rock Band, die es wohl nie schaffen würde Leute zum tanzen zu bringen, schafft es hier plötzlich. Sowieso hat man ein solches DJ-Set selten, gar nie gesehen. Es scheint wirklich so, als würde Holden Psychedelic und Experimental Bands an der Hand auf die Tanzfläche führen, ohne dabei überfordernd zu sein. Er verbindet seinen Mix zu einem homogenen Gesamtwerk, so dass man nicht merkt, dass bereits die nächsten fünf Songs verstrichen sind. Der erste Song, der wohl schon mal in einem Club von einem DJ gespielt wurde ist Caribou's „Lemon Yoghourt“, das hier die folgenden Tracks dermaßen pusht, als hätten diese beiden Mathematiker die Relativitätstheorie neu erfunden. Erster Höhepunkt ist dann nach sieben spannungsgeladenen Nummern ein Remix von Mogwai's „The Sun Smells Too Loud“, dass mit seiner komplexen Vielschichtigkeit heraus sticht und sich in verfrickelten Drums entlädt. Außerdem sollte man auf folgenden Track aufmerksam machen. „Tirangle Folds“ ist die erste Solo-Single von Holden seit vier Jahren und brilliert mit kontinuierlicher Raffinesse. Eine weitere Nummer, bei der man kein Ende erkennt, nur weiter mit dem Kopf nickt.

James Holden ist völliges Neuland für mich, Techno-Musik im allgemeinen. Doch weiß ich nach intensivem Hören dieser Compilation jetzt schon, dass dieser Herr mich bei meinem Erforschen dieses Gegners noch öfters an die Hand nehmen wird und mir die Schönheit dieser, auf den ersten Blick so stumpfen Musik, näher bringen kann.


 

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