Interpret:
Jaill
Plattentitel:
That's How We Burn
Label:
Sub Pop / Cargo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Michael Weber
Köln, 23.08.2010
Manchmal braucht es nicht viel um bei einem Label endgültig zu landen. Das Quartett Jaill aus Milwaukee brauchte dazu lediglich einen Karton voll mit Donuts. Ihr neues Label bedankte sich daraufhin mit einer Runde Pizza für alle. Nun gut, so einfach ist die Geschichte dann doch nicht zu erzählen, aber so ist sie wenigstens Bestandteil jener legendären Süß-Herzhaft-Schleife. Vincent Kircher und Austin Dutmer begannen schon 2002 in Kirchers Schlafzimmer, ihr erstes Album zu produzieren, was mit 25 Kopien für Freunde auch schnell „ausverkauft“ war, wie sie mit ein bisschen Selbstironie auf ihrer Homepage schreiben. Vier Bassisten und einige Jahre später sind sie mit Andrew Harris und Ryan Adams zur Band gewachsen, die mit ihrem 30minütigen Lo-Fi Pop/Rock-Wunderling „There's No Sky (Oh My My)“ zum ersten mal bei Sup Pop auffielen. Erst dann kamen die Donuts und ihr nun drittes Album „That's How We Burn“.
Aufgenommen wurde „That's How We Burn“ mit Justin Perkins in den Mystery Room Studios und ist unterm Strich elf Tracks stark geworden, die fast alle wie die Eröffnungsnummer „The Stroller“ oder das später folgende „How's The Grave“ betäubt nach vorne preschen können. Jaills Musik wird eine Schweißspur der Euphorie hinter sich herziehen. Ihr in den 90er Jahren verhafteter Garage-Klang lässt die Füße auf den Tanzflächen nicht still stehen, und es werden wohl mehrere Taschentücher benötigt, um sich den Psych-Pop-Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Da keimt schon fast Dankbarkeit auf, wenn sie ruhigere, an 70er-Pop erinnernde Songs wie „Thank Us Later“ oder „Baby I“ anstimmen.
Doch auch, wenn sie Gas geben, ist das kein Album der ungehaltenen Gefühlsausbrüche geworden. Jaill schlagen voll in die Kerbe besinnungslos Liebender mit einem dezenten Hang zum Surf-Pop wie in „Summer Mess“. Getreu dem Lo-Fi begegnet uns hier kein übermäßig satter Gitarren-Klang. Drive, eingetaucht in kristallenem Gewandt ist das Motto dieser Viererkette. Den Kopf und die Hüfte schüttelnd werden wir zu den kantigen Melodien von „Snake Shakes“ oder „Demon“ umherhüpfen. Es würde nicht wundern, wenn sich Jaill „Freude am Tanzen“ auf die Brust tätowiert haben. Ein Blick auf die durchschnittliche Spieldauer ihrer Songs geworfen, scheint für sie dabei auch nur der Moment zu zählen. Mit etwas mehr als 30 Minuten Spielzeit ist das an verrauchte Kellerdiscos erinnernde „That's How We Burn“ auch schnell wieder vorbei. Zeit genug, um sich die Entzückung aus dem Leib zu schütteln.
Der Song-Titel „Everybody's Hip“ trifft die Beschreibung dieser Band wohl am besten. Jaill differenzieren nicht zwischen ihrem Publikum und laden alle ein. Doch etwas mehr Ausgefeiltheit, Druck und Varianz in ihren Stücken, hätte der gesamten Produktion von „That's How We Burn“ bestimmt noch viel besser zu Gesicht gestanden als das vorliegende Resultat. Mit Jaill werden wir auf einer stets gleichbleibenden Ebene treiben und diese leider so gut wie nie verlassen. Ein Spaß ist es aber allemal.
Video: „The Stroller“
Jaill - The Stroller from Sub Pop Records on Vimeo.