DETAILS

Interpret:
Jónsi & Alex

Plattentitel:
Riceboy Sleeps

Label:
Parlophone / EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 21.07.2009

PLATTENKISTE

Jónsi & Alex - Riceboy Sleeps

Jónsi & Alex - Riceboy Sleeps

Wenn man es sich ganz einfach machen möchte, dann sagt man schlichtweg zum Debüt von Jónsi & Alex als „Riceboy Sleeps“: „Klingt wie Sigur Rós, nur ohne Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang. Generell, wie ohne progressive Elemente“. Wie gesagt, es ist die „einfache“ Variante einer möglichen Beschreibung. Doch diese gänzlich abzulehnen, wäre mindestens genauso einfach als sie brav anzunehmen und darauf zu setzen. Es gibt auf „Riceboy Sleeps“ tatsächlich die typischen Sigur-Rós-Elemente. Allerdings existieren daneben auch die diesem Projekt ganz eigenen Anleihen, die es von Jon Thor Birgissons Hauptprojekt etwas abrücken lassen.

Natürlich kann es schnell zur Farce werden, wenn das Steckenpferd Sigur Rós Jónsi & Alex stets dicht auf den Versen ist. Wer allerdings mit seinem Partner und Lebensgefährten Ambient-Pop/Rock produziert, der sich so weitgefächert über die Imaginationen der Hörer legt, aus Island kommt und dann auch noch Jónsi mit Spitznamen heißt, darf sich darauf einstellen, dass er sich rechtfertigen muss.

Unfair wären diese Rechtfertigungen allemal, denn die Kunst von „Riceboy Sleeps“ scheint eben darin zu liegen, dass Jónsi & Alex (Somers) etwas ähnlich meditatives auf einer etwas anderen Ebene, auf eine etwas andere Art zu erzeugen versuchen. So fehlen eben progressive Bestandteile auf „Riceboy Sleeps“ wie besagte Instrumente. Was dann allerdings übrigbleibt und Verweise zulässt, ist nur dem Anschein nach das nackte, atmende Grundgerüst aus Klangteppichen, die man in teilweise stark abgewandelter Form von „Ágætis Byrjun“, „( )“, „Takk…“ oder „Með Suð Í Eyrum Við Spilum Endalaust“ kennt. Ihren Teil werden dazu sicherlich auch noch Amiina mit ihren zarten Streichern, kindliche Chöre sowie die selten auftauchende und sich dann im Hintergrund, unter der Oberfläche befindliche Falsett-Stimme Jónsis, beitragen. Doch da ist immer etwas mehr zu hören.

Man mag es bei dieser sich langsam aufbauenden Klangdichte kaum glauben, aber „Riceboy Sleeps“ wurde komplett mit akustischen Instrumenten eingespielt. So wie elektronische Musik versucht organisch zu klingen, scheinen die neun Tracks - wenn man hier überhaupt davon reden kann - an vielen Stellen versucht wie ein elektronischer Song, der organisch sein will, zu klingen. Es würde auch überhaupt keinen Sinn machen, hier einzelne, sogenannte Tracks hervor zu heben, denn ist „Riceboy Sleeps“ erst einmal eingelegt, dann fährt die Platte in einem konstant ruhigen Flussbett, passiert anmutende Landschaften, die wir als Hörer immer wieder neu, in unseren Köpfen malen müssen. Landschaften, die auf minimaler Ebene mit leichtem Rauschen, Knarzen, Knistern, Klimpern und etwas Staub auf den Instrumenten zur vollen Entfaltung gelangen. Man muss diesem Album zwangsläufig die Luft zum Atmen geben, die seine sakralen Stücke voller Hoffnung und Schönheit verlangen.

Sigur Rós ist ja schon nichts, das man zwischen Tür und Angel „mal eben anhören“ kann. „Riceboy Sleeps“ wird hier entschieden einen drauflegen und fordert konsequente Aufmerksamkeit bzw. Hingabe der Hörerschaft. Vielleicht ist das auch der treffendere Vergleich zu Sigur Rós. Man darf aber mehr als gespannt sein, wann diese zart schmelzenden Klangepen von durchschnittlich sieben Minuten nicht nur auf Samplern erscheinen, sondern auch auf dem nächsten Soundtrack eines Underground- oder Indie-Films zu finden sind. Das über die Musik hinausgehende Kunstprojekt „Riceboy Sleeps“ ist wie ein „Sleeping Giant“, an dessen Geheimnisse man nur mit derselben Geduld gelangt, wie sie die Musik ausstrahlt. Man kann mit ihm voller „Happiness“ einen „Indian Summer“ durchleben, auch wenn dieser einen schlafend-passiven Eindruck in Sigur-Rós-Manier macht.


 

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