DETAILS

Interpret:
Ital Tek

Plattentitel:
Midnight Colour

Label:
Planet Mu / Groove Attack

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
7.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Michael Weber
Köln, 15.06.2010

PLATTENKISTE

Ital Tek - Midnight Colour

Ital Tek - Midnight Colour

Na! Mit den Nerven am Ende? Könnt ihr es nicht mehr hören? Wollt ihr sie auch verbieten? Habt ihr kein Verständnis für Kulturrelativismus? Dann aufgelauscht! Die gute Vuvuzela ist mittlerweile einem jedem von uns ein Begriff, oder sollte ich besser sagen ein Geräusch? Der Wespenschwarm aus Südafrika, der sich ohrenbetäubend über die Ränge verbreitet und sich in jedem Mikrofon der die Fußball-WM übertragenden TV-Stationen einnistet, ist nichts gegen das, was Ital Tek mit „Midnight Colour“ zu bieten hat. Und hier sind Nervereien erst gar nicht präsent. Denn von „Midnight Colur“ kann ich nur in besten Tönen sprechen.

Alan Myson, so der bürgerliche Name des Planet-Mu-Recken aus Brighton, zimmert uns mit seinem zweiten Album „Midnight Colour“ auf dem Mikro-Label 13 Tracks um die Ohren, die unsere Trommelfelle in Ekstase schwingen lassen. Während in Südafrika die surrende Monotonie beheimatet ist, kommt aus England die aufreibende Dub-2-Step-Wuchtbrumme, deren voluminöser Tiefgang in die Bauchgruben fährt. Die Beats poltern, die Sequenzer-Partikel schwirren wie von der Hornisse gestochen, Synthesizer breiten sich wie auf einem Honigteppich melodiös aus und die Bässe brummen im subfrequentiellen Bereich, als wären sie nahe des Erdkerns aufgenommen worden.

Auf „Midnight Colour“ brodelt es also an allen Ecken. Granulare Elemente blähen sich auf und platzen ganz unverhofft wieder. Beats und Melodien hingegen mäandern sich wie ein zähflüssiger Lavastrom durch die Nacht. Düster ist es geworden, jenes fast ohne Worte auskommende Dubstep-Ungetüm, dass in stillen Momenten seine sphärischen ambientesken Kreise wie ein „Satellite“ ziehen kann. Einzig in „Restless Tundra“, dem letzten Song auf „Midnight Colour“ gibt sich Anneka mit einem Featuring die Ehre. Ihre bedächtlich süße Stimme rundet die maschinellen Synthesizer-Wände nebst dem anschubsenden Beat ab. Anneka bleibt während des gesamten Songs über nivelliert, nur die Synthesizer stacheln sich kurz in den Vodergrund und der bohrende Bass bekommt ein paar Umdrehungen mehr. Ital Tek nimmt mit diesem Track tatsächlich für einen Moment das Produktionstempo raus, verzichtet auf Spielereien wie Reduktion und Verdichtung.

Besonders gelingt ihm dies im epileptischen „Babel“, dem anheizenden Glanzstück auf „Midnight Colour“. Hier wird das Tempo angezogen, der Beat zerhackt und wie auf Ecstasy getrimmte Synthesizer rauschen in stellarer Geschwindigkeit an einem vorbei. Dann ein Break, der erschlagende Bass ist weg und ein reduziertes Gleiten durch den Raum setzt ein, bevor sich alles wieder zu verdichten scheint und der Trip sein Ende nimmt. Doch ist „Midnight Colour“ kein wirkliches Dance-Album geworden. Auch wenn bei „Moment In Blue“ erneut eine geradlinige Beat-Knüppelei zu sägenden Synths einsetzt. Zu verstrickt und überwiegend zu lähmend sind die Produktionen, als dass mit ihnen Tanzflächen befeuert werden könnten. Aber dennoch können sie für die Momente des Trance-Tanzens zwischen „Black And White“ dienlich sein. Elegant schleppend wird sich Ital Tek mit uns durch die Nacht bewegen. Immer auf der Suche nach dem melodiösen Farbenspiel am mitternächtlichen Himmel.

 

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