DETAILS

Interpret:
Iggy Pop

Plattentitel:
Preliminaires

Label:
EMI

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
6.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 16.06.2009

PLATTENKISTE

Iggy Pop - Preliminaires

Iggy Pop - Preliminaires

Klingt wie ein alberner Scherz zum 1. April, ist aber ganz ganz ernst gemeint: Iggy Pop hat Michel Houellebecq für sich entdeckt und macht nun auf französischen Chanson gemischt mit Ragtime. Nach „Avenue B“ hätte man ihm alles, auch das, zugetraut, doch dann entdeckte Pop plötzlich seine musikalischen Wurzeln aufs Neue, knüppelte mit „Beat Em Up“ so manchen Kritiker aus ihren seligen Lobeshymnenwölkchen heraus vergraulte mit „Skull Ring“ und dem Stooges-Comebackalbum alle Altersweisheit. Für einen Moment wollte Iggy wieder der junge Wilde mit der rauen Kraft sein, der er aber nicht mehr war und die er nicht mehr hatte.

Nach dem Tod von Stooges-Bassist Ron Asheton scheint Iggy Pop keinen Sinn mehr darin zu sehen, auf ewig jugendlich durch die Welt zu wandern. So raunt er sich mit dem breitesten englischen Akzent durch Yves Mantands Klassiker „Les Feuilles Mortes“, der mit billigsten Keyboards und Drumcomputern klingt wie einst Leonard Cohen, als dieser 2001 seine „Ten New Songs“ herausbrachte. Altbacken also, aber mit einem charmanten Understatement. Iggy Pops grabestiefer Sprechgesang, der sich schicksalsschwanger durch die Songs schlängelt, passt wunderbar zu diesen durch Michel Houellebecqs Roman „The Possibility Of An Island“ inspirierten Songs.

In „How Insensitive“ kann man deutlich hören, dass Iggy Pop und David Bowie vor langer Zeit einmal gemeinsam in Berlin lebten und in „Nice To Be Dead“ lässt Pop seine Band doch noch mal kurz von der Leine, auf dass sie ein wenig lärmen dürfen. Das Album lebt mehr vom Zauber des Unerwarteten, als dass es musikalisch glänzen könnte. Wenn in „King Of The Dogs“ eine alte Marching-Band aufspielt, als würde sie sonst nur Randy-Newman-Tribute-Nummern im Schuppen von Tom Waits spielen, dann ist das zwar interessant, doch einen wirklichen Erkenntnisgewinn kann man daraus nicht ziehen. Nichts desto trotz ist es ein schönes Gefühl, Iggy Pop so bedacht, so nachdenklich wie schon lange nicht mehr zu hören. Nun heißt das Album ja auch „Preliminaires“, also Vorspiel. Lassen wir uns demnach überraschen, von welchem Buch sich Iggy Pop als nächstes inspirieren lässt.


 

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