Interpret:
Hurts
Plattentitel:
Happiness
Label:
Four Music / Sony
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
7.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Kropp, 30.08.2010
Ein Attribut fällt sofort und ohne Umschweife, wenn man über das aktuelle Phänomen Hurts spricht, schreibt oder diskutiert: „Hurts, die sind doch so Achtziger, stimmt‘s?“ Nimmt man die schlichte Schwarz-Weiß-Ästhetik ihrer Videos und ihrem der New Romantic entliehenen Look als Grundlage, so mag das auch definitiv zutreffen. Auch die Tatsache, dass ihr bislang größter Hit „Wonderful Life“ nach einem der größten und besten Songs der Achtziger benannt ist, lässt viele vorschnell zu dem Urteil kommen, bei Hurts handele es sich um eine waschechte Achtziger-Band.
Doch im Gegensatz zu artverwandten Künstlern wie beispielsweise La Roux, die bereits im letzten Jahr für ein kleines 80‘s-Revival gesorgt haben, gibt es bei dem Duo aus Manchester einen kleinen Unterschied. Während La Roux mit jedem synthetischen Atemzug die kalte Luft der Achtziger inhaliert und diese in ungekünstelte und unpeinliche Nostalgie verwandelt, fügen Hurts ihrer Musik mit einer Großfamilienpackung Pathos eine weitere Komponente hinzu, die sich wie eine zweite Schicht über ihren feinen, passgenauen Maßanzug namens „Synthiepop“ legt und diesen teilweise bis zur Selbstüberzeichnung einhüllt.
Dabei beginnt das Debütalbum „Happiness“ mit „Silver Lining“ wie der feuchte Traum eines jeden frühen Depeche Mode-Fans: ozillierend-krächzende Synthiewellen, die von düsteren und wie mit Neonfarbe bemalten Glockentönen abgelöst werden. Theo Hutchcrafts warme, samtene Stimme legt sich über dieses minimale Fundament, bis der Refrain mit Keyboard-Chören und -streichern ihm die Möglichkeit gibt, den Song wie ein Fertighaus in Sekundenbruchteilen zu errichten. Auch „Wonderful Life“ lebt von der Fähigkeit der Beiden, Refrains und Melodien zu schreiben, die sich sofort fest brennen und die einen so schnell nicht mehr loslassen. Hierbei kommen selbstverständlich allerlei Achtziger-Jahre-Versatzstücke zum Einsatz: ein mondsüchtiges Saxophon, mal pluckernde, mal flächige Synthies, ein monoton-einfacher Beat. Dadurch wird „Wonderful Life“ zum perfekten Substrat dessen, was man damals an den Achtzigern nicht mochte, jetzt aber irgendwie wieder gut findet.
Grenzwertiger sind da Songs wie „Sunday“ oder „Stay“, die gefährlich ins Fahrwasser der Killers (ersterer) oder gar One Republic (letzterer) abdriften. Hier mischt sich der unterkühlte hymnische Pathos der Nuller Jahre mit der ebenso kühlen 80‘s-Ästhetik und erschafft dadurch zwar waschechten Pop mit Ohrwurmfaktor, der jedoch genauso gut auf dem Soundtrack zur „Zweiohrküken“-Fortsetzung einen Platz finden würde.
Weniger entbehrlich sind die dann folgenden Tracks um das majestätisch thronende „Evelyn“ und die „Pet Shop Boys meets Camouflage“-Einlage „Better Than Love“. Mit „Unspoken“ schaffen Hurts die vorläufige Kulmination ihrer musikalischen Vision, indem sie Pathos und Stil, Hedonismus und Introspektion, Image und Sound zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk formen, das wie von selbst im Refrain Rihannas „Umbrella“ anschneidet.
„Happiness“ mag zwar als Album nicht das alles überstrahlende Opus Magnum sein, dass man sich nach „Wonderful Life“ heimlich auszumalen hoffte. Es besitzt jedoch mehr als genug Potenzial, um nicht nach kurzer Zeit in der Schublade der abgelegten Hypes zu verschwinden. Doch seien wir mal ehrlich: Als One-Hit-Wonder in Vergessenheit zu geraten - gerade das wäre doch so Achtziger, stimmt‘s?
Video: „Wonderful Life“