DETAILS

Interpret:
Hudson Mohawke

Plattentitel:
Butter

Label:
Warp / Rough Trade

VÖ:
bereits erschienen

Punkte:
8.5 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Tobias Gnädig
Köln, 30.11.2009

PLATTENKISTE

Hudson Mohawke - Butter

Hudson Mohawke - Butter

Pünktlich zum zwanzigsten Geburtstag präsentiert sich Warp Records in brillanter Verfassung: Alben von Grizzly Bear, Bibio, Tyondai Braxton oder Harmonic 313 werden am Ende des Jahres in einigen Bestenlisten vertreten sein. Zum Ausklang des Jubiläumsjahres beschenkt sich Warp nun noch einmal selbst mit Hudson Mohawke und seinem bemerkenswerten Debütalbum „Butter“.

Den ersten Eindruck hinterlässt das vielleicht hässlichste Cover aller Zeiten, das man eher von Fantasy-Metal-Bands erwarten würde als von einem Producer, der Songs an der Grenze von HipHop und elektronischen Spielarten komponiert. Aber es schickt den Hörer auf die richtige Fährte: Vorsicht, hier ist offensichtlich ein Vollnerd am Werk! Es dauert dann auch nicht lange, bis „Butter“ diesen Eindruck bestätigt. Das Intro „Shower Melody“ kommt ähnlich schräg daher wie die mittlerweile semiberühmten „Shreds“, diese Verballhornungen alter Gitarrenhelden und ihrer Soli auf Youtube. „Gluetooth“ rundet den instrumentalen Einstieg in das Album ab, bevor „Joy Fantastic“ - einer der wenigen Songs mit Raps (von Olivier Daysoul) - mehr als nur ein bisschen an OutKast erinnert. „Trykk“ wirkt durch seine immer leicht neben dem schrägen Beat hängenden Synthieflächen ein bisschen wie von Swizz Beatz auf LSD geschraubt. Überhaupt sind es die Beats, die einen Großteil der Faszination an „Butter“ ausmachen. Nächstes Beispiel dafür ist „Fruit Touch“, bei dem über einen völlig zerhackten und nur scheinbar willkürlich wieder zusammengesetzten Breakbeat einmal per „Oohs“ und „Aahs“ die Tonleiter rauf und runter geklettert wird.

„ZOo00OOm“ ist im Verhältnis dazu straighter Dicke-Hose-HipHop, dem nur der prollige Dicke-Hose-Rap fehlt – ohne, dass man ihn vermissen würde. Hudson Mohawkes Musik kommt in der Tat weitestgehend hervorragend ohne Sprache aus, weil er sich darin versteht, die Einflüsse aus HipHop, Glitch, Dubstep, Elektro und R’n’B in einem knallbunten Patchwork zusammenzufügen. Mehr noch: Hört man sich einen Song wie „Rising 5“ mit diesem wahnsinnig großartigen Drumsound und den von allen Seiten niederprasselnden Melodien an, ist man Hud Mo glatt dankbar dafür, diesen Sound nicht mit Raps oder Gesang beschmutzt zu haben. Einen ähnlichen Moment gibt es später in „No One Could Ever“, diese Drumrolls sind einfach abgefahren. Verfremdung von Sounds ist das zentrale Thema auf „Butter“, und Hudson Mohawke betreibt dies bis zum Exzess, ohne dabei an Eingängigkeit einzubüßen.

Ein weiterer Kunstgriff des erst 22-Jährigen ist es, die Songs kurz zu halten. Elf der 18 Songs auf „Butter“ weisen eine Spielzeit von teilweise deutlich unter drei Minuten auf. Das macht dieses Album zu einer umso kurzweiligeren Angelegenheit, weil einfach ständig und überall etwas passiert, eine unerwartete Wendung kommt und gerade dann, wenn man den Song gerafft hat, schon der nächste beginnt. Außerdem ist die Musik Hudson Mohawkes in luftigen Höhen zu Hause: Statt nach immer tieferen und fetteren Bässen zu streben, sucht er lieber nach der nächsten Melodie und schreckt dabei auch nicht vor klebrigen Panflöten-Samples zurück – nachzuhören im Highlight des Albums, „FUZE“. Gegen Ende des Albums wird es dann noch einmal besinnlich: „Star Crackout“ ist ein traumhaft schönes Stück Musik zwischen IDM und TripHop, dem der Glasgower glücklicherweise mehr Zeit zur Entfaltung lässt als dem Großteil seiner Stücke.

Ein bisschen fühlt man sich erinnert an die Zeit, in der Leute wie Kanye West, die Neptunes oder Timbaland noch nicht für Charts-Einheitsbrei von der Stange standen, sondern versuchten, HipHop etwas Freshness zurückzugeben. Leute wie Hudson Mohawke oder der bereits letztes Jahr zurecht hochgelobte Flying Lotus beweisen mit ihren Alben immerhin, dass es HipHop am besten geht, wenn man ihn von der Leine lässt.


 

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