Interpret:
Howler
Plattentitel:
America Give Up
Label:
Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ:
bereits erschienen
Punkte:
8.0 von 10
Autor:
Dominik Knauf
Köln, 18.01.2012
Jordan Gatesmith war neun Jahre alt, als die Strokes 2001 ihr epochales Debüt „Is This It“ veröffentlichten. Umso erstaunlicher ist es demnach, wie erfrischend selbstbewusst der Frontmann der amerikanischen Newcomer Howler mit Strokes-Zitaten um sich wirft, als handele es sich dabei um Wertmarken für Freibier in der angesagtesten Location der Stadt. Ein Song wie „This One‘s Different“ hat jedenfalls jenen monoton künstlichen Galopp-Beat und die fiebrig hektischen Gitarren, die man auf dem letzten Album der Strokes so schmerzlich vermisst hat.
Nun sind Howler jedoch mehr als nur strenge Adepten der reinen Strokes-Lehre – so zieht sich durch das Debüt „America Give Up“ neben der kühlen Lo-Fi-Eleganz eine Sehnsucht nach salzig schmeckendem Meer und eben auch nach einem Mehr als die Summe der einzelnen Teile. Als hätten Guided By Voices die Badehosen eingepackt, um den jungen Indie-Kids im Pazifik das Surfen beizubringen, während die Cramps im Hintergrund als Baywatch-Nixen über die Szenerie wachen.
„America Give Up“ deckt mit seinen kurzen 32 Minuten vom lärmverzerrten Surf-Rock („Back Of Your Neck“) über Psych-Glam-Passagen („Back To The Grave“) so ziemlich jedes amerikanische Rock-Genre der vergangenen 30 Jahre ab, in dem eine Gitarre die Hauptrolle spielt. Dass Gatesmith aufgrund seines jungen Alters viele der auf dem Album angeschnittenen musikalischen Referenzen nur vom Hörensagen her kennen kann, ist dann nur eine unverschämt gute Randnotiz eines beeindruckenden Debüts.