DETAILS

Interpret:
Hot Chip

Plattentitel:
One Life Stand

Label:
DFA / EMI

VÖ:
29.01.2010

Punkte:
8.0 von 10

Weiterführende Links:

Autor:
Christopher Szwabczynski
Steinfeld, 25.01.2010

PLATTENKISTE

Hot Chip - One Life Stand

Hot Chip - One Life Stand

Bald könnte man Hot Chip zu den alten Hasen zählen. Es ist nun bereits vier Jahre her, dass ich das fünfköpfige Kollektiv zum ersten Mal in irgendeinem Musikblättchen erspäht habe. Mit ihrer verschrobenen Kleidung, großen Brillen und schnieken Schnurrbärten, trotzdem stilvoll bis ins Mark, lenkten sie meine Aufmerksamkeit schnell auf sich. Seitdem ist viel geschehen. Doch „Uncool ist das neue cool!“ steht weiterhin auf ihren Stirnen.

„One Life Stand“ heißt der Nachfolger des 2008 erschienenen dritten Albums „Made In The Dark“. Das Cover möchte schon ankündigen, dass hier die Geschichte verändert wird. Aber Neues gibt es wenig, dafür ist das alt Bewährte auf ein kompaktes, rundes Niveau angehoben, von dem man augenscheinlich eine prima Aussicht auf ihr magnum opus „The Warning“ hat.

Alexis Taylor packt seine Hörer vom ersten Song an in die tanzbare Klangschale, die von allen Seiten summt, brummt, stampft und schließlich mitten im Indietronic-Wonderland zum Abheben kommt, während die Zeilen „Happiness is what we all want“ über dem Himmel erstrahlen. Das innere Lächeln kommt von ganz alleine, während dein Körper, getragen von den Rhythmen, hin und her bewegt wird. Ähnlich wie einst „And I Was A Boy From School“ setzt auch „Thieves In The Night“ alles auf Sieg und gewinnt. „One Life Stand“ ist im Vergleich zu „Made In The Dark“ strukturierter, ohne dabei auf ruhige Songs zu verzichten. Ein in sich geschlossenes Album, das mit elektronischen Spielereien glänzt und mit Melodien, die einem nicht recht aus dem Kopf gehen möchten, auftrumpft. Fast unglaubwürdig wirkt es, wenn Joe Goddard sagt, Hot Chip habe nie einen Plan beim Konstruieren der Songs. So leicht, wie die Songs auch daher kommen, scheint alles am rechten Platz, harmonisch und wohl komponiert. So zum Beispiel die Vorab-Single „One Life Stand“, die mit zahlreichen Klang-Raffinessen im Hintergrund dem Grundstock des Songs einen tip top Glanz verleiht.

Gut kann ich mich noch daran erinnern, als Hot Chip am 11.03.2008 im Kölner Gloria ihr drittes Album präsentierten und Felix Martin, in aller Seelenruhe, die dicksten Beat aus seinem Synthesizer haute. Den Gegenpol bildete der immerfort hüpfende und lachende Al Doyle, der von Song zu Song mit unterschiedlichen Instrumenten das Bühnenbild auflockerte. Hot Chip haben es merklich im Blut. Die einströmenden Einflüsse von Funk, Soul, klassischem House und Electronica werden so feinfühlig mit ihrer Vorliebe für ehrliche Songwriter-Kunst vermischt, dass man meinen könnte, eine Renaissance der Musik zu erleben. Wenn dann das ein wenig melancholische „Alley Cats“ seine Tränen über dich vergießt, möchte man auch einfach in diesem Glauben bleiben und dem treibenden Bass lauschen, der die Stimmen von Alexis und Joe liebkost. Der letzte Song „Take It In“ geleitet dich dann mit satten Beats und der gewohnten Instrumenten-Vielfalt sanft in die Realität zurück und du fragst dich, wo du die letzten fünfzig Minuten verbracht hast.

„One Life Stand“ besinnt sich zurück auf „The Warning“. Das Rad wird hier nicht neu erfunden - obwohl der Kopf des Hippokrates oder Aristoteles davon getragen wird - aber Hot Chip schaffen es mit ihrem Ideenreichtum und der Verbindung von neu und alt erneut den Hörer zu packen und kräftig durchzuschütteln, oder sanft in Träumen schwelgen zu lassen.

Video: „One Life Stand“


 

Freunde

 
 
 
 

Wir Präsentieren:

 
 
 
 

Prunkstücke